Die ökologischen Folgen des Militarismus

Anlässlich der Rüstungsmesse DSEI, die vergangene Woche in London stattfand, wo sie alle zwei Jahre abgehalten wird, habe ich einen Beitrag aus einem Pamphlet der Kampagne Stop The Arms Fair übersetzt. Dabei habe ich einen interessanten Fakt gelernt: Die Aluminiumindustrie verbraucht fast 2/3 des gesamten Stromverbrauchs Islands. Das Rohmaterial Bauxit, dessen Abbau verheerende Folgen für Menschen und Umwelt hat, muss dafür um die halbe Welt transportiert werden. Und am Ende wird ein Großteil davon in sinnlosen Kriegen verpulvert.

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„Die Kriegsführung in der modernen Zeit … resultiert in Umweltzerstörungen von solch gewaltigen Ausmaßen, dass dies als ökologischer Holocaust beschrieben wurde.“

Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Aspekte:

Das US-Militär ist verantwortlich für die Hälfte des weltweiten Verbrauchs von FCKW, was 13 Prozent des Ozonabbaus ausmacht. Der CO2-Ausstoß infolge militärischer Aktivitäten macht 10 Prozent der globalen Emissionen aus. Die Militärstreitkräfte der Welt sind verantwortlich für mehr als zwei Drittel der Freisetzung von FCKW 113 in der Ozonschicht. Das US-Militär ist der größte Umweltverschmutzer der Welt und erzeugt mehr Giftstoffe pro Jahr als die fünf größten Chemiefirmen zusammengenommen. Das Pentagon ist der größte Verbraucher von Öl in der Welt. Über die Umweltfolgen von Krieg braucht man kaum zu reden: Brennende Ölquellen (z. B. Die größte Ölkatastrophe im Mittelmeer), die Umwelt verschandelnde Streubomben und Uranmunition, Tod, Verstümmlung und Vergiftung, durch das Besprühen mit Chemikalien entlaubte Landschaften, massive Waldbrände, durch zerbombte Kanalisationssysteme vergiftetes Grundwasser.

Im Jahr 1989 kaufte das US-Verteidigungsministerium 2 Milliarden Barrel Öl für das Militär – damit könnte man alle öffentlichen Verkehrssysteme der USA für 22 Jahre betreiben. Durch Afghanistan, Irak und Libyen ist das heute wahrscheinlich viel mehr! Etwa ein Viertel (42 Millionen Tonnen pro Jahr) des weltweiten Flugzeugtreibstoffs wird von den Streitkräften verbraucht. Der globale militärische Verbrauch von Aluminium, Kupfer, Nickel und Platin ist größer als die Nachfrage nach diesen Materialien durch den gesamten Globalen Süden. Bis zu 1,5 Millionen km² Land weltweit befindet sich im Besitz von Armeen (das entspricht der Größe der Mongolei), dazu zählt nicht der Landverbrauch durch Rüstungsunternehmen.

Sogar Militärübungen verursachen schwerwiegende Verschmutzungen. Bombenübungsplätze verwandeln das Land in eine Wüste. Schießanlagen für Panzer und Artillerie kontaminieren Boden und Grundwasser mit Blei und anderen giftigen Rückständen. Die Wiederherstellung kann tausende von Jahren dauern. Atomversuchsgelände bedeuten permanente Kontamination. Ganz zu schweigen von Tiefflügen, die Migrationsrouten und Verhaltensweisen von Wildtieren beeinträchtigen. Überall auf der Welt ist die Präsenz des Militärs der zuverlässigste Indikator von Umweltschäden. Fast alle Atomtestgelände sowie die meisten Uranminen und Atommüllkippen befinden sich auf dem Land von indigenen Bevölkerungen, mit anderen giftigen Militäraktivitäten verhält es sich ähnlich. Das US-Militär (der größte Umweltverschmutzer der Welt) ist verantwortlich für 27.000 hochgiftige Zonen auf 8.500 aktuellen und ehemaligen Militärgeländen.

Eine Gruppe von Aktivisten schaffte es, in das ExCel Centre in London reinzukommen! Sie entrollten ein Transparent von Stop the Arms Fair vor einer Haubitze, die an die saudi-arabische Nationalgarde, Indonesien, Thailand geliefert und in Mali, Libanon und Afghanistan eingesetzt wurde.

Doch auch wenn das Militär nicht direkt präsent ist, so sind die Umweltzerstörungen durch die es unterstützende Industrie verheerend. Ein Beispiel dafür sind die Kosten der Aluminiumherstellung. 30 Prozent des weltweit produzierten Aluminiums fließt in die Rüstungsindustrie. Die Aluminiumschmelze ist einer der umweltschädlichsten Prozesse. Bauxit ist das Rohmaterial. Dafür werden tropische Regenwälder zerstört, das Land von indigenen Bevölkerungen in Besitz genommen und Flüsse und Grundwassersysteme mit Chemikalien vergiftet. „Bodensanierung“ ist ein kompletter Mythos, wie man z. B. in Jamaica, Indien, Trinidad und Australien sehen kann. Die Aluminiumschmelze ist ungeheuer energieintensiv – dafür wird „saubere Energie“ in Island produziert, indem alle seine großen Gletscherflüsse gestaut werden und dadurch die letzte große Wildnis Europas zerstört wird.

 

Als ein Lastwagen mit Ausrüstung für die Rüstungsmesse DSEI in Sicht kam, strömten 100 Aktivisten auf die Straße und skandierten „Unterdrückung beginnt hier … Stoppen wir sie hier!“.

Es ist nicht einfach so, dass der Militarismus zu massiven Umweltschäden führt. Man kann Militarismus und Umweltschäden nicht willkürlich voneinander trennen, beide sind Teil desselben Systems der Herrschaft, Unterdrückung und Zerstörung. Kapitalismus bedingt permanenten Krieg und den militärisch-industriellen Komplex. Er bedingt auch, dass die Rate des Ressourcenabbaus ständig steigt – mit den unvermeidlichen, daraus resultierenden Umweltschäden und klimatischen Veränderungen.

Mehr Informationen: International Peace Bureau Briefing Paper THE MILITARY’S IMPACT ON THE ENVIRONMENT: A NEGLECTED ASPECT OF THE SUSTAINABLE DEVELOPMENT DEBATE

Britische Kampagnen gegen Rüstung und Rüstungsmessen:

Campaign Against Arms Trade
Stop The Arms Fair
Disarm DSEI

Quelle: http://www.stopthearmsfair.org.uk/wp-content/uploads/disarmdsei-2011-pamphlet.pdf

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Eine Antwort zu Die ökologischen Folgen des Militarismus

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Schön, dass du auf die Zusammenhänge hinweist und sie klar stellst.

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