Mit allen notwendigen Mitteln. By any means necessary

Übersetzung aus der englischen Version von Susanne Schuster

Die Website von Tlaxcala ist wieder online. Wir haben tüchtig daran gearbeitet, sie aufzuräumen und vor den Attacken uns unbekannter böswilliger Hacker zu schützen. Während der zweimonatigen Pause haben wir 500 Artikel auf unserem temporären Blog http://tlaxcala-int.blogspot.com veröffentlicht. Heute, am 21. Februar 2015 feiern wir den 9. Jahrestag unserer Gründung; am Anfang unseres zehnten Jahres sind wir mehr denn je von der Nützlichkeit unserer Arbeit als Staffelläufer überzeugt.

Der 21. Februar 2015 ist auch der 50. Jahrestag der Ermordung von Malcolm X, der glänzende Revolutionär, dessen Lebensweg und Botschaft auch heute von erstaunlicher Aktualität sind.

Malcolm Little war auch ein gemartertes Kind: Er wurde ab dem 9. Lebensjahr zusammen mit seinen Geschwistern in Kinderheimen und Pflegefamilien untergebracht, nachdem seine Mutter in die Psychiatrie gesteckt wurde, weil sie die Ermordung seines Vaters, ein Anhänger von Marcus Garvey und ein Apostel der „Back to Africa“-Bewegung, durch weiße Rassisten verrückt gemacht hatte. Zwar war er ein guter Schüler, doch er schmiss die Schule hin, nachdem einer seiner Lieblingslehrer ihm gesagt hatte, dass sein Traum, Anwalt zu werden „für einen Nigger unrealistisch“ wäre und er lieber eine Lehre als Schreiner machen sollte. Von 17 bis 21 war er ein Kleinkrimineller, Drogendealer, Zuhälter: 1946 landete er im Alter von 21 im Gefängnis. Als er sechs Jahre später wieder frei kam, war er ein anderer Mann. Denn im Gefängnis hatte er die Black Muslims kennengelernt, denen er sich mit der Nation of Islam anschloss. Er las viel, reflektierte das Gelesene und diskutierte darüber mit seinen Leidensgenossen. Er war das geworden, was man heute einen „Islamisten“ nennt. Die Nation of Islam war eine Bewegung, deren Ziel die moralische Erneuerung der Schwarzen war, die durch das dominante weiße System desintegriert waren – ein Jahrhundert nach der Abschaffung der Sklaverei gewährte es den „Negern“ immer noch nicht den Status als Bürger geschweige denn als Menschen. Die Black Muslims forderten nicht Gleichberechtigung, sondern Trennung, eine Art von „Rückkehr nach Afrika“, aber auf US-amerikanischem Boden. Malcolm brach mit ihnen, als er nach seiner Rückkehr von seiner großen Reise nach Mekka und Algier über Kairo und Accra erfuhr, dass Elijah Muhammad, der große Führer der Nation of Islam, während seiner Abwesenheit Diskussionen mit dem Klu-Klux-Klan über ein Reservat für Schwarze in den Südstaaten Alabama oder Missouri initiiert hatte.

malcolm xIn Mekka sah Malcolm, wie Gläubige unterschiedlichster Hautfarben und Herkunft brüderlich miteinander umgingen. Er zog daraus den Schluss, dass die Schwarzen in den USA mit all den anderen Unterdrückten von „Babylon“ Bündnisse bilden mussten, um sich gemeinsam selbst zu befreien. Am 28. Juni 1964 gründete er offiziell eine neue Bewegung, die Organisation der Afroamerikanischen Einheit. Aufgrund seiner Entscheidung, eine revolutionäre Position einzunehmen, zog er schon seit vielen Jahren eine intensive Überwachung durch den FBI auf sich. Mit seiner Kritik an der separatistischen Linie der Nation of Islam machte er sich seine früheren Gefährten zum Feind. Drei von ihnen, manipuliert vom FBI, ermordeten ihn am 21. Februar 1965.

Die Gefängnisaufenthalte der Kouachi-Brüder, von Amédy Coulbaly und Omar Al Hussein machten aus keinem von ihnen einen neuen Malcolm X. Sie erreichten bloß den Status nützlicher Idioten, die für nichts starben. Sie waren unfähig, die wirklichen Ursachen und Verursacher ihrer Malaise zu identifizieren und wählten die leichten Ziele. Alle diejenigen, die davon träumen, es ihnen nachzumachen, sollten sich diese Aussagen von Malcolm X vor Augen halten:

Wir verkünden unser Recht auf dieser Erde, ein Mensch zu sein, ein menschliches Wesen zu sein, als menschliches Wesen respektiert zu sein, die Menschenrechte zu erhalten in dieser Gesellschaft, auf dieser Erde, in dieser Zeit, die wir zu verwirklichen beabsichtigen mit allen notwendigen Mitteln.
—Malcolm X, Rede auf der Gründungsveranstaltung der Organisation für afroamerikanische Einheit (OAAU) am 28. Juni 1964

Dieser Ausdruck – by any means necessary – ist in die englische Sprache durch die Übersetzung von Les Main Sales von Jean-Paul Sartre eingegangen, wo die beiden Hauptcharaktere sagen:

HOEDERER: Ich war nicht derjenige, der das Lügen erfunden hat. Es entstand in einer Gesellschaft, die in Klassen gespalten war, und jeder einzelne von uns hat es bei seiner Geburt geerbt. Wir werden das Lügen nicht abschaffen, indem wir uns weigern zu lügen, sondern mit allen Mitteln, die zur Abschaffung der Klassen notwendig sind.

HUGO: Nicht alle Mittel sind gut.

HOEDERER: Alle Mittel sind gut, wenn sie wirksam sind.

—Jean-Paul Sartre, Die schmutzigen Hände: Akt 5, Szene 3. 1948

Über die Bedeutung von Malcolms Worten ist in den USA schon viel gesagt worden: Sollte damit Gewalt entschuldigt werden? Wahrscheinlich schon, notwendige Gewalt. Aber wer entscheidet und wie, wann Gewalt notwendig ist? Und wie beurteilt man, dass die eingesetzten Mittel wirksam waren? Offensichtlich durch die Tatsache, dass sie denjenigen, die sie benutzt haben, die Erreichung ihrer Ziele ermöglicht haben. Doch sie müssen auch genau wissen, was sie wollen. Diese verlorenen Hunde ohne Halsband, konvertiert in Dschihadisten, wussten das offensichtlich nicht. Sie waren dazu verdammt, die schmutzige Arbeit im Namen anderer zu verrichten, die ihrerseits genau wissen, was sie wollen: Die Oberhand und Kontrolle über die Menschheit zu behalten, indem sie darüber bestimmen, wer dazu gehört und wer nicht dazugehört. Mit allen notwendigen Mitteln.

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