Der Angriff auf die Ukraine wird 2014 als permanenter schmutziger Krieg geführt werden

Eine hervorragende Analyse von Johannes Löw, der Betreiber des Blogs Elynitthria, über die Entwicklungen in der Ukraine. Die musste ich einfach kopieren.

Ein Imperium verliert eine Schlacht, aber es gibt keinen Krieg als verloren.

Die  Mittel des EU-US-amerikanischen sind unerschöpflich, da es innerhalb auf immense Ressourcen zurückgreifen kann, genug Kolonien hat, die ihm diensteifrig sind und die Länder, auf deren Unterwerfung es es abgesehen hat, isoliert, zugrunde richtet und sich dann an den remains schadlos hält.

Ich frage mich oft: dieses immer gleiche Muster hat doch jetzt schon einen so langen Bart, dass es bei ZZ Top mitspielen könnte  und müsste folglich doch von jedem bereits bei den ersten Anzeichen durchschaut werden – aber nein! Soziale Unruhen schüren ohne soziale Forderungen; stattdessen Diffamierung des Staatschefs und der Regierung; militante Provokationen; Verweigerung jeglicher Kommunikation, Putschversuch, im Falle des Scheiterns Militarisierung der Opposition. Es funktioniert nach wie vor.

Die Sprüche sind die Gleichen: Menschenrechte, Pressefreiheit, überhaupt Freiheit, Demokratie und Freiheit – Dinge, die in der Ukraine zwar in weit größerem Maße verwirklicht sind als im Superstaat Europa, aber wen schert es.

Man kann sagen: im gesamten Nordafrika ist die Hölle auf Erden losgebrochen, auch wenn Marocco und Algerien sich noch einigermaßen stabil halten können. Zu Algerien fehlt mir der aktuelle Überblick, auch in Marocco hat sich das Leben sehr verschlechtert, und man fürchtet dort, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis in der Gegend von Marrakesch zumindest der Krieg Einzug hält. Erzeugt nach diesem Muster und keinesfalls vom Himmel gefallen.

Solange die Vernichtung Libyens im vollen Gange war, hielt man sich Syrien als Nebenkriegsschauplatz, betätigte sich mit dosiertem Terror von Todesschwadronen gepaart mit OTPOR-Strategien.

Kaum war Libyen zerstört, lies die NATO sich von der Marionettenregierung einen Scheck über 260 Milliarden Dollar als Aufwandsentschädigung überreichen, was bedeutet, dass die “eingefrorenen” Auslandsguthaben Libyens nahezu vollständig in die Aufrüstung der NATO geflossen sind, und man unterzeichnete schon mal die Verträge, welche die Ölvorkommen den USA und zu geringem Teil ihren liebsten Mittätern sicherte – ob es jetzt abgebaut wird oder als Reserve in der Erde lagert zum späteren Nutzen ist dabei unerheblich.

Syrien konnte sich zwar verteidigen, ist aber ein Trümmerhaufen, die Bevölkerung entwurzelt und von einer Terroristen-Plage befallen, die auf Jahrzehnte toben wird wie im Irak.

Der Putsch gegen die ukrainische Regierung ist zwar gescheitert, das bedeutet aber lediglich, dass jetzt Wühlarbeit und Subversion auf dem Programm steht.

Seit mehreren Tagen hält sich der Vizepräsident des Europäischen Parlamentes Gianni Pitella, der im Vorstand der Partito Democratico, also der italienischen Sektion der “Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten & Demokraten im Europäischen Parlament” ist, in Kiew auf.

Er entwickelt gemeinsam mit dem Faschistenführer Tyanibok, Jazenjuk und Klitschko Strategien, die Wirtschaftspolitik des Landes zu unterlaufen, es doch noch zu destabilisieren und die Opposition an die Macht zu bringen.

Er verspricht ihnen, dass die “Fraktion der Progressiven Allianz…” jede Zusammenarbeit mit der ukrainischen Staatsführung und der Partei der Regionen ablehne.

Begleitet wird er dabei von den italienischen Parlamentsabgeordneten Matteo Cazzulani und Matteo Renzi.

Neben seinen Treffen mit den 3 Führern der Oppositionspartei trifft er sich mit Jewgenija Tymoschenko und besucht Frau Schornowol.

Am 1. Janunar hielt er auf dem Maidan eine Rede, allerdings ohne besondere Aufmerksamkeit zu erregen, es waren “mehrere Hundert Demonstranten” anwesend, in der er behauptet, in der Ukraine gäbe es keine Pressefreiheit, was ein Zeichen wäre, dass die Ukraine kein demokratisches Land sei, und ruft zu Sanktionen gegen Mitglieder der ukrainischen Regierung auf. Die “Progressive Allianz” würde sich einsetzen, Auslandsguthaben von Repräsentanten des Staates einzufrieren und ihnen keine Visa für die Einreise in die EU mehr auszustellen.

Er ist nicht ganz so blöd, selbst zu behaupten, Frau Schornovol sei von “Schergen der Regierung” verprügelt worden, er sagt sie sei überzeugt, das wäre so. Dass inzwischen 5 Personen in der Sache verhaftet und über 50 Zeugen vernommen wurden und alles eindeutig kriminellen Kreisen zuzuordnen ist, mit denen die Klitschkos eine gemeinsame Geschichte haben – na und?

Ferner erklärt der Mann den seiner Auffassung nach scheinbar gänzlich verblödeten Zuhörern, EU bedeute Demokratie und Freiheit, Russland ist Knechtschaft und Despotismus.

Pitella und Cazzulani treten in dem ukrainischen Fernsehsender Hromadske Tv auf, und lassen den selben Sermon dort ab.

Ich weiß ja nicht, in welchem Land es zur Pressefreiheit gehört, dass ausländische Politiker im Fernsehen auftreten, den Staat des Landes, in dem sie sich aufhalten beschimpfen dürfen, Regierungsmitglieder beleidigen dürfen, Sanktionen gegen diese fordern dürfen und zu deren Sturz aufrufen, aber dass die ukrainischen Behörden so windelweich sind, und das zulassen, schaut nicht sehr nach eingeschränkter Pressefreiheit aus.

Ich würde fast behaupten, in jedem anderen Land würde ein solcher Scheißkerl des Landes verwiesen werden.

Freitag den 3.Januar  trafen sich im Eisenhower Executive Office Building in Washington eine ominöse Gruppierung, die sich Repräsentanten der ukrainischen Diaspora nennen mit Karen Donfried, Obama’s special assistant und senior director for European affairs for the National Security Council, welche exakt den selben Mist besprechen, den Pitella verbreitet.

Es kann als selbstverständlich angenommen werden, dass Pitella und seine 2 italienischen Spießgesellen hier nicht in Eigeninitiative handeln sondern als Vertreter des EU-Parlamentes und dieser “Progressiven Allianz”, der auch die französische Regierungspartei, die britische Labor Party und unsere heißgeliebte Minderheitsfraktion der Bundesregierung, die SPD, angehören.

Berlin hält sich zwar offiziell im Hintergrund, startet aber eine Pressekampagne gleichen Inhaltes.

Als Sprachrohr nutzt die Bundesregierung ein weitgehend bedeutungsloses Presseerzeugnis, wäre es nicht in Berlin würde man es Provinzblatt nennen, die Berliner Tageszeitung, welche in ihrer heutigen Ausgabe mit folgendem Artikel auftrumpft:

BT Ukraine 1

BT Ukraine 2

Bemerkenswert ist das das Level der Aggressivität, eine Mischung aus amerikanischer Kopfgeldjägermentalität und faschistischer Pogromgeilheit, die wir immer in den gleichen Formulierungen erleben, deren Diffamierungen jedesmal identisch sind.

Bemerkenswert ist aber vor allem die vulgäre Klassenkampf-Rethorik.

Gerade unsere Presse definiert Armut in den USA und der EU als Ausdruck von Faulheit und Versagertum, natürlich auch basierend auf Dummheit und asozialer Persönlichkeitsstruktur, die offenbar genetisch vererbt wird, während sie ja genau die Reichsten der Reichen anhimmelt als Leistungsträger, gerade so als wären sie zur Erde herabgestiegene Gottheiten.

Lächerlich aber auch, weil die Oppos genau ein wirtschaftliches Konzept verfolgen, welches Armut und Entrechtung zum Programm macht. Swoboda-Leute verprügeln Gewerkschafter und halten das Gewerkschaftshaus besetzt.

Der IWF warnt davor, der Ukraine Kredite zu geben, und jetzt halten Sie sich fest, WEIL SIE IHRE SCHULDENRATEN PÜNKTLICH ZAHLT OHNE DIE FORDERUNGEN DES IWF ZU ERFÜLLEN, die wie immer bestehen in: Privatisierung des produktiven Staatseigentums, Massenentlassungen, Kürzungen staatlicher Gehälter, Einfrieren von Renten und Pensionen, Aufhebung von Subventionen.

Darum behauptet der IWF, die Ukraine sei unzuverlässig.

Und wenn wir gerade mal beim Geld ausgeben sind: man muss sich einmal vergegenwärtigen, wie teuer diese Euromaidan-Geschichte ist!

Alleine das Equipment: Konzertbühne, mehrere Freiluft-Kinoleinwände, Projektoren, Soundanlage, Lichtanlage mit über 100 Strahlern, Veranstaltungszelte, Gasbeheizung, Freiluftküchen, Sanitäranlagen etc..

Ein solches Equipment kann von einer Veranstaltungsfirma vielleicht ein Wochenende mal zur Verfügung gestellt werden, wenn der politische Elan dahinter steht und Aussicht, dass die politische Kundschaft sich zukünftig erkenntlich zeigt.

Aber all das über Wochen einzusetzen ohne Umsatz zu generieren, das macht jede Firma bankrott!

Also muss es von jemandem bezahlt werden. Da fallen mehrere hunderttausend Euro an!

Dann die laufenden Kosten: Strom, Gas, Nahrungsmittel, Getränke.

Das Propagandamaterial: Fahnen, Transparente aus der professionellen Druckerei auf wetterfestem Material, eines sogar in der Größe von 8×10 Metern, Tausende Vierfarbdrucke von A3- und A2-Plakaten.

Der ganze Organisationsstab, der das monatelang vorbereiten und täglich durchführen muss, was ein Fulltime-Job ist und viele Mitarbeiter benötigt, die das nicht eben mal ehrenamtlich nebenbei machen können.

Ganz sicher wird Herr Klitschko dafür nicht seine persönlichen Millionen lockermachen.

Herr Klitschko wird wissen, dass Demokratie und Freiheit, wie die EU sie verspricht, nicht einmal eine Kanalratte füttern.

Wer in der Demokratie und Freiheit des Westens etwas vom Leben haben will benötigt eine Menge Geld.

Das Assoziierungsabkommen der EU sieht Kredite vom IWF als Bedingung vor, und bislang haben Kredite des IWF noch jeder Volkswirtschaft irreparablen Schaden zugefügt.

Besonders lächerlich ist diese Klassenkampf-Rethorik auch, da die EU explizit jede ökonomische Unterstützung vehement zurückweist, mit überheblich-zynischer Frechheit, erinnert man sich z.B. an die Absonderung des königlich-schwedischen Außenministers Nils Daniel Carl Bildt: “Die EU ist kein Teppichbazar, die EU ist eine Wertegemeinschaft!”

Ja, warum denn dann überhaupt eine Freihandelszone nach dem Vorbild aus der NAFTA zwischen USA und Mexico, Werte sind schließlich ätherische Lüftchen und keine Handelsware!

In Mexico werden die demokratischen Werte der USA heute auch mit elektronischem Stacheldraht, Mauer, Grenztruppen mit Schießbefehl und Satellitenüberwachung davon abgehalten, in die USA zurück zu kehren, weil man ja dort schon genug demokratische Werte hat, da will man gar nicht die zurück, die man den Mexicanern in selbstloser Menschenliebe geschenkt hat.

Und natürlich ist das Freihandelsabkommen ganz real eine Erweiterung der NAFTA, sobald die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) Realität geworden ist. Damit würde die Ukraine schlicht als Absatzmarkt, Rohstofflager und Billig-Lohnsklaven-Reservoire auch den USA zufallen.

Und machen wir uns nichts vor, manch einer meckert zwar über TTIP, aber kommen wird es sicherlich.

Was aber Pitellas Kiew-Aufenthalt uns sagt ist: trilaterale Verhandlungen zwischen Ukraine, EU und Russland sind reine Illusion.

Uns gehen die Ereignisse in der Ukraine vor allem an, weil Berlin, auch wenn der Italiener vorgeschickt wird, die Haupttriebkraft hinter den Zersetzungsversuchen gegen die Ukraine ist.

Und dass Pitella dem gleichen Verein angehört wie sein Boss Martin Schulz und Bundesaußenminister Steinmeier sollte nicht übersehen werden.

Nicht nur, dass Pitella sich in der Ukraine aufführt, wie ein Schulmeister, der den Dümpeln dort Demokratie und Freiheit erklärt, offen mit Faschisten, Tymoschenkos Bubi Jatzenjuk und dem  Klitschko konspiriert, demonstrativ aber die diplomatisch zuständigen Ansprechpartner ignoriert, ist Ausdruck der Geringschätzung, die die EU für die Ukraine hat.

Es hat durchaus etwas von klassischem Afrika-Kolonialismus, wenn die EU als Spitzenkandidaten einen direkt von der CDU beauftragten und fragwürdig intelligenten Boxer ausruft und nun zur Ikone des “Widerstandes” ein Popsternchen aus Lviv  Ruslana aufbaut, deren Spitzen-Gig ein Auftritt bei der Eurovision in Lendenschurz und Lederoberteil war. “Oskar, lass die Puppen tanzen!”

“Das Angebot eines ehrgeizigen Assoziierungsabkommens ist noch immer auf dem Tisch. Wir wünschen uns, dass die Ukraine den politischen Willen aufbringt, greifbare Fortschritte auf dem Weg zur Erfüllung der Bedingungen zu machen, die die Europäische Union im Dezember 2012 festgelegt hat.” hieß es am 26.11.2016 in einer gemeinsamen Erklärung von Guido Westerwelle und seinem polnischer Amtskollegen Radoslaw Sikorski gönnerhaft, als habe die EU mehr zu bieten als einen Schulterklopfer: “Brav Jungs, ihr seid jetzt auch Wertegemeinschaft!” Das wird mit Steinmeier ausgefeilter und professioneller, aber nicht anders.

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2 Antworten zu Der Angriff auf die Ukraine wird 2014 als permanenter schmutziger Krieg geführt werden

  1. Einar Schlereth schreibt:

    Ja, Susanne, der Mann fasst die wesentlichen Punkte zusammen. Die Regierung ist deshalb so schlapp, weil sie auch korrupt ist und Dreck am Stecken hat, wie mir eine Russin erklärte, die sich gut dort auskennt. Und sie hat Schiss, wie ein kleiner Bub, vom Lehrer (der EU) bestraft zu werden.

  2. ein Mensch schreibt:

    „.. Die Regierung ist deshalb so schlapp, weil sie auch korrupt ist und Dreck am Stecken hat, ..“
    Alles unter den Augen und Ohren der NSA.
    Edathy-Affäre etc… SPD – NSU mit Wissen der CDU/CSU, NSA. Sie sind Erpressbar, Koruppt und von der Todsünde der Gier bessesen und absolut ohne Gewissen.

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