Das Begrünen der Wüste mit Permakultur – Jordanien

„Man kann alle Probleme der Welt in einem Garten lösen“

Kürzlich bot sich mir die Gelegenheit, einen Permakultur-Einführungskurs zu einem sehr niedrigen Preis zu machen. Das Thema an sich interessiert mich schon eine Weile, allerdings wusste ich konkret noch nicht so viel davon. An dieser Stelle möchte ich nun die Ethik und Prinzipien der Permakultur vorstellen. Außerdem werde ich in einer Reihe von Artikeln inspirierende Beispiele der Permakultur aus Jordanien, Simbabwe und Eritrea vorstellen. Diese Modelle zeigen, wie man mit relativ einfachen, lokal vorhandenen Ressourcen sogar stark versalzte, geschädigte Böden regenerieren kann.

Permakultur

Permakultur setzt sich zusammen aus den Begriffen Permanente Agrikultur. Es gibt viele verschiedene Definitionen für Permakultur. Im Wesentlichen ist es ein praktisches System für nachhaltiges Leben und die Erneuerung der Erde und unserer Gemeinschaften. Es basiert auf der Beobachtung von Prinzipien und Mustern in der Natur. Die Permakultur hilft uns dabei, lebendige Systeme als Ganzes, statt als Einzelteile, zu sehen und die Beziehungen zwischen den Dingen zu maximieren, in einem ethischen Rahmen. Sie bestärkt Menschen auf der ganzen Welt darin, dynamische und widerstandsfähige Systeme und Projekte zu entwickeln, die mit der Natur arbeiten, statt gegen sie.

Die Permakultur beruht auf drei ethischen Grundwerten:

  • Achtsamer Umgang mit der Erde (earth care)
  • Achtsamer Umgang mit den Menschen (people care)
  • Fairer Austausch von Ressourcen (fair share)

Dies sind einige der wichtigsten Prinzipien der Permakultur:

  • Produziere keinen Abfall
  • Optimiere die Vielfalt
  • Benutze vorhandene Ressourcen
  • Jedes Element erfüllt verschiedene Funktionen
  • Mit den kleinsten Änderungen die größte Wirkung erzielen
  • Das Problem ist die Lösung
  • Kleine und langsame Lösungen
  • Relative Platzierung
  • Randzonen nutzen und schätzen
  • Es kommt drauf an…

Ein weiteres grundlegendes Element ist die Zonenbildung, die Zonen werden danach eingeteilt, wie viel menschliche Arbeit erforderlich ist.

Letztendlich sind diese Prinzipien uralt und für die meisten von uns intuitiv erfassbar, doch die industrielle und mechanistische Produktionsweise und Auffassung der Umwelt hat sie weitgehend verdrängt, mit den entsprechenden katastrophalen Folgen. Sie stehen der profitorientierten Wirtschaftsweise des Kapitalismus, dem sich die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt absolut unterwerfen müssen, diametral entgegen. Mit der Permakultur kann man die Welt nachhaltig ernähren und Hunger und Armut erfolgreich bekämpfen, wie das folgende Beispiel zeigt. Bei den Hightech-Lösungen von Monsanto, Bayer und all den anderen Agrarindustriegiganten geht es hingegen nie darum, die Welt zu ernähren, ihr Ziel ist, die Taschen der Anteilseigner zu füllen.

Die Begrünung der Wüste in Jordanien

Der australische Permakulturist Geoff Lawton und seine jordanische Frau Nadia Lawton zeigen mit ihren Permakulturprojekten in Jordanien, wie man die Wüste begrünen kann. Jordanien besteht zu 92 Prozent aus Wüste und sie breitet sich immer weiter aus. Es ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Die Nutzung der erneuerbaren Wasserquellen liegt bei 120 Prozent, es ist also absehbar, dass diese Wasserquellen bald erschöpft sein werden. Die industrielle, chemieintensive Landwirtschaft verbraucht wie überall in der Welt 70 Prozent des Wassers. Die Regenerierung der Böden ist daher eine Überlebensfrage.

Mit Geoff Lawtons erstem Projekt im Jahr 2001 wurde ein 4 ha (10 acres) großes Grundstück erneuert, in der trockensten Gegend der Welt 400 m unter dem Meeresspiegel, mit stark geschädigten und versalzten Böden. Dabei wurden insgesamt 1,5 km Mulden (swales) angelegt, in denen jeder Tropfen Regenwasser aufgefangen wurde, der auf das Land fiel. Die Mulden wurden entlang von Höhenlinien angelegt und dann mit einer dicken Schicht Mulch bedeckt. An der oberen Seite der Mulden wurden stickstoffanreichernde, widerstandsfähige Wüstenbäume und an der unteren Seite verschiedene Fruchtbäume gepflanzt. Die Leute lachten Lawton und sein Team zunächst aus, weil die Gräben für die Regenwasserernte nicht gerade waren, sondern in Konturen verliefen. Doch es geschahen unglaubliche Dinge: Innerhalb von vier Monaten trugen die Feigenbäume Früchte, was in dieser Gegend eigentlich unmöglich ist. Es stellte sich heraus, dass der Boden entsalzt wurde und zwar mit nur 20 Prozent der Wassermenge, die zum Auswaschen der versalzten Böden normalerweise benutzt wird und unter der Mulchschicht entstand so viel Feuchtigkeit, dass sogar Pilze wuchsen. (Die Leute dort hatten noch nie Pilze gesehen, weil es in der lebenden Erinnerung noch nie so viel Feuchtigkeit gab.) Der Boden wurde lebendig mit Insekten und Kleintieren. Das Netz der Pilze sonderte eine wachsartige Substanz ab, die das Salz abstieß und der Verwesungsprozess ließ das Salz fest werden.

Da die Finanzierung dieses Projekts nach drei Jahren auslief, wurde es beendet und sich selbst überlassen. Als Lawton nach acht Jahren 2009 zurückkam, war zwar vieles schlecht bewirtschaftet worden, doch das grundlegende Design des Permakultursystems war immer noch intakt, was seine Widerstandsfähigkeit beweist.

Geoff Lawton sagte: „Man kann alle Probleme der Welt in einem Garten lösen“. Doch viele Menschen wüssten das nicht und seien daher verunsichert.

Nun arbeitet Lawton an einem zweiten „Greening the Desert“-Projekt in unmittelbarer Nähe des ersten Projekts, aber mit einer langfristigen eigenen Finanzierung, damit die richtige Bewirtschaftung gesichert ist. Seitdem wurden viele praktische Projekte initiiert und die Permakulturtechniken von Bauer zu Bauer und von Land zu Land weitergegeben. Das neue Permakulturprojekt genießt eine breite Unterstützung im Volk und sogar seitens der jordanischen Regierung. Man hat wohl erkannt, wie notwendig ein radikales Umdenken ist.

Während einer Trockenheit im Jahr 2008 fiel die Olivenernte in ganz Jordanien aus – außer im Permakulturdorf Bayoudah. Durch Mulchen und Kompostieren konnten die Bäume überleben.

Diese Bilderserie zeigt die blühende grüne Oase, die mit dem „Greening the Desert“-Projekt in einer der klimatisch extremsten Gegenden der Welt erschaffen wurde. Wenn nur ein Bruchteil des Geldes, das für die grausamen Kriege auf der Jagd nach Öl und anderen Rohstoffen, mit denen die unersättliche kapitalistische Maschine am Laufen gehalten wird, für solche Projekte ausgegeben würde, wie viel lebenswerte Umwelt und menschliches Glück könnte man damit wohl erreichen?

Dieses etwa 30 Minuten lange Video dokumentiert das erste und zweite „Greening the Desert“-Projekt von Geoff und Nadia Lawton. Ich empfehle euch sehr, es anzuschauen. Auch mit nicht so guten Englischkenntnissen kann man gut folgen.

Greening the Desert II: Die Begrünung des Nahen Osten auf Vimeo oder in 4 Teilen auf Youtube.

Weitere Informationen zu Permakultur:

Permakulturinformationen

Permakulturinstitut

Permakultur-Forschungsinstitut

10 Permakultur-Ideen zum Selbermachen

(1/5) Permakultur – eine Führung durch den Garten

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5 Antworten zu Das Begrünen der Wüste mit Permakultur – Jordanien

  1. Kopfstaendler schreibt:

    Unter viel besseren Bedingungen hatte Libyen unter Muammar al-Gaddafi Oasen angelegt. Das kostete Milliarden, die Haliburton gerne verdient hat, um die unterirdischen Aquifiers unter der Sahara zur Bewässerung Libyens zu erschließen. Leider haben die syrischen Bürger diese Segnungen nicht länger mehr erlebt, denn dem Westen lag daran, dieses reichste Land Afrikas zu zerstören.

    http://kopfstaendler.blog.de/2013/04/08/mensch-fuehrer-15732701/

    Schon der von vielen verachtete Karl May beschrieb die Aquifers unter der Sahara, die Gaddafi zum Nutzen Libyens für die Anlage von vielen Oasen nutzen wollte. Alles durch die westlichen Kriegstreiber gestoppt, die einst Gaddafi so hofierten. Wasser, Oasen und Libyens Gold-Dinar mussten vernichtet werden.
    http://kopfstaendler.blog.de/2013/09/14/grauen-buergerkriege-armut-bankster-16395688/

  2. Pingback: Man kann alle Probleme der Welt in einem Garten lösen | BildDung für das VOLK

  3. Stephan Becker schreibt:

    Hallo,
    das optimale Auffangen und Verwerten des Wassers ist die eine Sache, aber was macht man wenn es nur sehr wenig regnet?
    Vor etwa neun Jahren haben zwei russische Wissenschaftler, Viktor Gorshkov und Anastassia Makarieva, entdeckt, dass Bäume wesentlich stärker zum (globalen) Wasserkreislauf beitragen als gedacht.

    Biotic pump of atmospheric moisture as driver of the hydrological cycle on land
    http://tinyurl.com/biotic-pump

    Eine einfachere Beschreibung dieser Entdeckung zusammen mit einem Interview dieser beiden Wissenschaftler:

    New meteorological theory argues that the world’s forests are rainmakers
    1st February 2012, Mongabay.com, Jeremy Hance
    http://tinyurl.com/forest-rainmakers

    Ein Forstwissenschaftler, Douglas Sheil, der momentan an der norwegischen Universität für Naturwissenschaften (http://www.nmbu.no/en) lehrt und mit den beiden Wissenschaftlern zusammenarbeitet, hält einen Vortrag zu diesem Thema (ca. 2014):

    Douglas Sheil – Do forests attract rain? (31min40s)
    youtube.com/watch?v=WBkOos12Xzs

    Die Bestätigung dieser Theorie kann man z.B. beim Las-Gaviotas-Projekt in Kolumbien sehen:

    Bäume als Regenmacher in der Steppe
    24. März 2012, von Haiko Pieplow und Ute Scheub
    http://www.ithaka-journal.net/baume-als-regenmacher-in-der-wuste-terra-preta-in-kolumbien

    Dies bedeutet, dass wenn man Dürren und Wüsten wieder in grüne Landschaften verwandeln will, dass dies mit Hilfe von Bäumen bzw. mit großen Aufforstungsmaßnahmen möglich ist – ganz entgegen dem scheinbar unüberwindlichen Klimawandel.

    • missubuntu schreibt:

      Vielen Dank für den interessanten Kommentar! Dass Bäume mit dem Wasserkreislauf bzw. der Menge an Regen zusammenhängen, ist offensichtlich für jeden, der die Umwelt aufmerksam beobachtet und darüber nachdenkt. Das Projekt in Kolumbien hört sich wirklich gut an. Angesichts der massiven Entwaldung auf dem ganzen Planeten ist ein Umdenken dringend geboten. Das hängt allerdings direkt mit der Unterwerfung unter das kapitalistische Profitstreben zusammen. Das muss man endlich aufgeben!

      Ich bearbeite seit März dieses Jahres einen Gemüsegarten mit Freunden, was mir sehr viel Spass macht und ich habe im Ithaka Journal gerade etwas über Pflanzenkohle gelesen. Das müssen wir mal ausprobieren.

      • Stephan Becker schreibt:

        Für Euren Gemüsegarten hätte ich noch einen tollen Vortrag von der amerikanischen Bodenforscherin Dr. Elaine Ingham:

        The Roots of Your Profits – Dr Elaine Ingham, Soil Microbiologist, Founder of Soil Foodweb Inc (1h36min)

        Sie erklärt ziemlich gut warum man keinerlei Düngemittel und keinerlei Spritzmittel braucht, ja nicht einmal einen Fruchtwechsel, wenn man im Boden eine genügend gute Bodenbiologie hat.

        Als Ergänzung und zum besseren Verständnis ist dieses Buch von Annie Francé-Harrar („Die letzte Chance“) geeignet:

        „Leben wird aus dem Stein“
        Von dieser Webseite der Universität für Bodenkultur in Wien:
        http://www.boku.ac.at/humusplattform/humusbuch/

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