Über die Berichterstattung im Syrienkrieg

Von Susanne Schuster

Dieses Interview mit Dr. Sabine Schiffer ist eine klarsichtige Analyse der Berichterstattung in den etablierten Medien über den Syrienkrieg. Sie erklärt sehr deutlich, wie der Diskurs mit emotional suggestiven Bildern und eingestreuten Nahelegungen gezielt manipuliert wird. Bestimmte Behauptungen – dass man der syrischen Regierung die Schuld an dem Chemiewaffeneinsatz im August in einem Vorort von Damaskus zuschreibt, ohne jegliche Beweise – werden durch unablässige Wiederholung als Fakten wahrgenommen. So funktioniert Propaganda und so schafft man Stimmung für einen Militäreinsatz. Doch abgesehen davon, dass so eine offene Kriegshetze kriminell ist, wäre ein militärisches Vorgehen äußerst dumm und gefährlich. Es würde einen Flächenbrand, wenn nicht sogar einen Weltbrand auslösen. Wenn dann langsam aber sicher die tatsächlichen Fakten ans Licht kommen – dass die sogenannten „Rebellen“, ein Euphemismus für Terroristen, mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Hand dabei im Spiel hatten – erhalten sie längst nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die ursprünglichen Falschbehauptungen, die den Leuten durch den Wiederholungseffekt viel besser im Gedächtnis haften bleiben. Man kann sich dagegen nur wehren, wenn man sein kritisches Denken intensiv schult und „intellektuelle Selbstverteidigung“, ein von Noam Chomsky geprägter Begriff, praktiziert.

Der australische Journalist John Pilger beschrieb die Ursachen für die Täuschungen und Desinformationen in den Medien bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Krieg und die Medien“ auf der Rebellious Media Conference 2011 mit weitaus krasseren Worten als Dr. Sabine Schiffer:

In sogenannten ‚freien Gesellschaften’ sind die Medien nicht unabhängig, sie sind eine Erweiterung der Regierenden und Mächtigen, daher verteidigen sie die Interessen der Elite, indem sie in das Kriegsgeschrei einstimmen und damit Krieg legitimieren. Dies geschieht, indem Dinge ausgelassen werden, d. h. Zensur durch Auslassung. Genau in diesem Moment wird die libysche Stadt Sirte rund um die Uhr von NATO bombardiert, mit Splitterbomben und Hellfire-Raketen, doch die Menschen haben praktisch keine Vorstellung davon, was diese Stadt durchmacht. Die Medien geben keine Vorstellung von dem ungeheuren Ausmaß des Leidens von Zivilisten. Die logische Schlussfolgerung ist, dass Journalisten Blut an den Händen haben, weil sie ihre Aufgabe nicht erfüllen, d. h. die Lügen und Täuschungen zu enthüllen.

Meinen Bericht von der Konferenz kann man hier lesen.

Sprachwissenschaftlerin Dr. Sabine Schiffer über die Berichterstattung im Syrienkrieg.
„Mutmaßlich“, „Bilder aus nicht gesicherten Quellen“ — viele Medien nutzen emotionale Bilder, deren Herkunft und Inhalt nicht gesichtert sind und vermitteln dennoch den Eindruck, objektiv zu berichten. Weltnetz.tv sprach mit Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung) über Parteinahme der Medien, den Einfluß von Lobbyorganisationen und den Konkurrenzdruck der Redaktionen.
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