Falsche Lösungen für Hunger und Armut

Von Susanne Schuster

Im Verlauf des vergangenen Jahres wurden mehrere Initiativen ins Leben gerufen, die sich mit Hunger und Ernährungssicherheit befassen. Es ist wirklich rührend zu sehen, wie besorgt unsere Führer um Hunger und Armut sind.

Auf dem G8-Gipfel in Camp David im Mai 2012 stellte Präsident Obama die Neue Allianz für Ernährungssicherung vor. Durch eine Partnerschaft zwischen der G8, einer Reihe von afrikanischen Regierungen, transnationalen Konzernen und einigen heimischen afrikanischen Firmen soll weltweit die Sicherung der Ernährung erreicht werden. Der Schwerpunkt liegt auf wachsenden privaten heimischen und ausländischen Investitionen in die afrikanische Landwirtschaft, unterstützt von Institutionen wie die Weltbank, die Afrikanische Entwickungsbank, das Welternährungsprogramm der UN, die Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und anderen. Die Investitionen sollen angeblich durch freiwillige Leitlinien reguliert werden.

Im Sommer 2012, während der Olympischen Spiele, hat die britische Regierung den ersten Hungergipfel abgehalten und ein zweiter Hungergipfel wird in London am 8. Juni anlässlich des von der britischen Regierung in Nordirland veranstalteten G8-Gipfels am 17. und 18. Juni 2013 stattfinden. Der britische Premierminister Cameron behauptet, er wolle Mangelernährung bei Kindern durch angereicherte Hightech-Nahrung lösen.

Im Januar 2013 wurde dann eine neue Kampagne im Vereinigten Königreich gegen Hunger und für Ernährungssicherung gestartet – IF. Sie wird organisiert von einer Gruppe von mehr als 200 Entwicklungs- und anderen Organisationen, darunter bekannte Hilfsorganisationen wie Oxfam, Action Aid und Christian Aid. Die Kampagne wurde ebenfalls im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel ins Leben gerufen.  Sie dreht sich um vier große Themen: Entwicklungshilfe, Steuern, Land und Transparenz.

Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass hinter all den netten Worten und dem PR-Gedöns Business as usual steckt – Kapitalakkumulation forever.

Keine dieser drei Initiativen stellt das System der Macht, Kontrolle und Eigentumsrechte, das im Mittelpunkt des globalen Nahrungsmittelsystems steht, in Frage. Vielmehr arbeiten die Neue Allianz für Ernährungssicherung und der Hungergipfel Hand in Hand mit den mächtigsten Agrarkonzernen der Welt wie Monsanto, Syngenta, Cargill, Archer Daniels Midland und Stiftungen wie die Bill & Melinda Gates Foundation. Sie betreiben ihr Geschäft nicht, um Hunger und Armut zu lösen, sondern um die Gewinne für ihre Anteilseigner zu maximieren, das ist ihre gesetzliche Pflicht. Alles andere ist Propaganda. Wenn die Rede ist von mehr privaten Investitionen und Wachstum in Afrika, heißt das in Wirklichkeit, dass sie einen größeren Teil des afrikanischen Kuchens wollen, zum Nutzen ihrer Aktionäre. Normale Afrikaner werden nur die Krümel kriegen.

An keiner dieser Kampagnen war irgendeine der Graswurzelbewegungen wie La Via Campesina beteiligt, die internationale Kleinbauernorganisation, die 200 Millionen Bauern in 70 Ländern repräsentiert, die bereits einen Rahmen zur Lösung der weltweiten Ernährungskrise entwickelt hat – Ernährungssouveränität. Ernährungssouveränität bedeutet nicht nur, ausreichend Nahrungsmittel zu haben, sondern auch die Kontrolle über die Produktion und Verteilung der Nahrungsmittel zu haben, mit dem Ziel, kulturell angemessene, nährstoffreiche Nahrungsmittel für die eigenen Bedürfnisse als Priorität zu erzeugen. Sie beruht auf autarken Methoden, die nicht von teuren Betriebsmitteln abhängen, die die Bauern in einen Kreislauf von Abhängigkeit und Schulden von diesen Konzernen treiben würden, was beispielsweise bereits eine Viertelmillion indische Baumwollanbauer in den Selbstmord getrieben hat.

Mamadou Cissokho sagte im Namen von Bauern, die Mitglieder von 15 afrikanischen Organisationen darstellen, in einem Brief an den Präsidenten der Afrikanischen Union: „Ich möchte einfach daran erinnern, dass Ernährungssicherung und –souveränität die Grundlage unserer allgemeinen Entwicklung darstellen, was alle afrikanischen Regierungen unterstreichen. Es ist eine strategische Herausforderung. Deshalb müssen wir unsere Ernährungspolitik auf unsere eigenen Ressourcen bauen, wie es die anderen Weltregionen gemacht haben. Die G8 und die G20 können auf keinen Fall als geeignete Foren für Entscheidungen dieser Art angesehen werden.“

World Development Movement Director Deborah Doane kritisierte, dass die Forderungen der IF-Kampagne zwar begrüßt würden, doch „sie wird nicht die Macht und Auswirkungen des Finanzsystems auf die Nahrungsmittelpreise in Frage stellen, noch fußt sie auf den Prinzipien der Ernährungssouveränität.“ John Hilary, Director von War on Want, übte ebenfalls scharfe Kritik; er sagte, die politischen Ursachen von Armut und Hunger seien nicht angesprochen worden. Noch erdrückender ist die Enthüllung von War on Want, dass David Cameron die IF-Kampagne missbraucht hat, um sich selbst als führender Kämpfer für soziale Gerechtigkeit zu vermarkten, zu einer Zeit, in der die Handlungen seiner Regierung für beispiellose Härte im eigenen Land sorgen und die Armut in Afrika verstärken. „Die IF-Kampagne vermittelt ein vollkommen falsches Image der G8 als Gruppe, die sich dafür einsetzt, den skandalösen Hunger auf der Welt zu überwinden. Vielmehr ist sie (in Wirklichkeit) für den Fortbestand des Hungers verantwortlich.

Es gibt reichlich Studien und Daten, die beweisen, dass eine bäuerliche Landwirtschaft mit agrar-ökologischen Methoden pro Hektar produktiver ist als industrielle Agrarbetriebe; sie sorgt daneben für größere Artenvielfalt, gesunden Boden, sauberes Wasser und Luft, was unabdingbar für unsere Gesundheit und unser Glück ist. Etwa 80 Prozent der Nahrungsmittel in Afrika werden von Kleinbauern erzeugt. Sie sind diejenigen, die die Probleme kennen und sie wissen, was die Lösungen sind. Wir müssen diese bevormundenden, von oben herab konzipierten falschen Lösungen bekämpfen, in Solidarität mit Bauern auf der ganzen Welt.

Petition Mitzeichnen: Stoppt britische Entwicklungshilfe-Geschenke an multinationale Konzerne

Erklärung der afrikanischen Zivilgesellschaft zur Neuen Allianz für Ernährungssicherung der G8

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