Harte Lektionen aus Simbabwe, die einige Südafrikaner einfach nicht hören wollen

von Susanne Schuster

„Viele Südafrikaner wollen es einfach nicht hören und finden es wahrscheinlich schwer zu glauben: Die radikale Landumverteilung in Simbabwe hat funktioniert und die landwirtschaftliche Produktion ist ungefähr auf dem gleichen Niveau wie vor dem Prozess. Noch bedeutsamer ist, dass dieses Produktionsniveau von 245 000 schwarzen Farmern auf dem Land erreicht wurde, das davor von nur 6 000 weißen Farmern bewirtschaftet worden war.“

So zitiert der englische Forscher Ian Scoones in seinem Blog-Artikel Difficult lessons from Zimbabwe that some South Africans just don’t want to hear den angesehenen südafrikanischen Journalisten Max du Preez, der in der südafrikanischen Zeitung The Mercury einen Artikel zu dem Buch Zimbabwe Takes Its Land Back geschrieben hat.

Der Artikel habe einen Sturm der Entrüstung von wütendenen Südafrikanern hervorgerufen, und du Preez habe in einem Folgeartikel angegeben, von der blinden Wut und Irrationalität von Leuten, die ansonsten recht vernünftig zu sein scheinen, überrascht gewesen zu sein.

Die gleiche Reaktion beobachte auch ich immer dann, wenn zum Beispiel in der britischen Zeitung The Guardian, die dem linksliberalen Spektrum zugerechnet wird, ein Artikel erscheint, der irgend etwas Positives über die Landreform in Simbabwe zu sagen hat, dann gibt es viele vor Wut schäumende Kommentare, in denen die Menschenrechtsverletzungen angeprangert werden. Die ganze Diskussion ist emotional aufgeladen, allein die Erwähnung des Namens Mugabe fungiert als emotionaler Auslöser, was eine vernünftige Diskussion sehr erschwert. Was nicht sein darf, kann einfach nicht sein, da können die Fakten noch tausendmal das Gegenteil beweisen. Wenn man sich aber mit dem Thema rational beschäftigt und sich die empirischen Fakten vor Augen hält, dann gelangt man zu einer viel differenzierteren und vielschichtigeren Sicht der Dinge.

Scoones bemerkt: „Wenn weiße Südafrikaner ihre Köpfe so fest in den Sand stecken und nicht die ekelhaften, gravierenden Ungerechtigkeiten lösen, werden sie mit den Folgen irgendwann konfrontiert werden. Nichts tun und hoffen, dass das Thema weggeht, wie in Simbabwe, ist nicht gut genug. Wenn die Unzufriedenheit immer größer wird, wird die politische Dynamik das schon besorgen.“ Du Preez habe recht mit seiner Analyse, dass man altes, konventionelles Denken dringend über Bord werfen und das Problem mit mehr Tatkraft angehen müsste.

Aus einem weiteren Zitat wird klar, dass du Preez nicht die Gewalt der Landreform in Simbabwe leugnet. Südafrika sei aber nicht Simbabwe, man könne davon nur bestimmte Elemente übernehmen. Doch das Prinzip Landreform sei auch für Südafrika ein dringendes Thema, um vergangenes Unrecht wiedergutzumachen und für zukünftige Stabilität zu sorgen.

Es ist höchste Zeit, dass die Debatte um Landreform mit mehr Vernunft geführt wird, Leute wie Scoones und du Preez leisten dazu einen wertvollen Beitrag.

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6 Antworten zu Harte Lektionen aus Simbabwe, die einige Südafrikaner einfach nicht hören wollen

  1. Einar Schlereth schreibt:

    Ausgezeichnet. Den Du Preez sollte man unbedingt lesen. Interessant ist das Stichwort Mugabe, das immer Wut erzeugt. Genau wie Pol Pot, Kim Yong Un etc. Leute, die absolut von nichts eine Ahnung haben, die weder Simbabwe, Kambodscha oder Nordkorea auf der Karte finden, nichts über die Länder wissen, die wissen eins ganz genau: das sind alles Verbrecher. Suharto, Marcos, Pinochet haben sie nie gehört. So funktioniert Propaganda, hundertprozentig im Sinne unsere Beherrscher. Ich lege das auch auf meinen Blog, Susanne. Danke.

  2. Pingback: Harte Lektionen aus Simbabwe, die einige Südafrikaner einfach nicht hören wollen | barth-engelbart.de

  3. André schreibt:

    Hahaha solche Quatsch kann Man nur glauben wenn man viel lesen und noch nie in Zimbabwe war. Liest auch hier:
    http://www.politicsweb.co.za/politicsweb/view/politicsweb/en/page71619?oid=373778&sn=Detail&pid=71619

    Aber besser noch, gehe nach Zimbabwe und gehe sehe was es ist die ihr so blindlings unterstutze.

    • missubuntu schreibt:

      Hallo Andries,

      deine Reaktion zeigt, wie emotional das Thema Landreform ist und genau darum geht es ja in dem Artikel, den ich zitiert habe.

      Tatsache ist, das die Landreform in Zimbabwe vielen normalen Leuten geholfen hat. Hier ist eine Zusammenfassung der Ergebnisse:
      http://www.ids.ac.uk/go/news/zimbabwe-s-land-reform-ten-years-on-new-study-dispels-the-myths

      Professor Scoones ist ein besonnener Mann und er sagte in einem Interview mit der BBC, er sei selbst überrascht gewesen von den Ergebnissen der Studie.

      Was ich bei diesen emotional aufgeladenen Kommentaren vermisse, ist eine inhaltliche Kritik und eine Antwort auf die riesigen Probleme. Aber denen fällt nichts dazu ein, die haben keine Antwort und das hilft uns nicht weiter. Ich verstehe es nicht. Wie blind muss man sein, um nicht zu erkennen, dass so gewaltige Ungleichkeiten sich irgendwann in massiven sozialen Konflikten entladen werden, wenn man nichts tut? Wir sehen ja auch in Europa immer mehr Konflikte, weil es immer gravierendere Ungleichheiten gibt. Das Volk wird von dem einen Prozent total verarscht. Dabei ist bewiesen, dass Gleichheit besser für ALLE ist – zum Beispiel in dem Buch „The Sprit Level“, auf Deutsch: Gleichheit ist Glück: Warum gerechte Gesellschaften fur alle besser sind http://www.equalitytrust.org.uk/resources/spirit-level-why-equality-better-everyone. Die Forschung, auf der das Buch beruht, ist solide und die Autoren haben alle Kritikpunkte auf der Webseite ausführlich wiederlegt.

      Bei mehreren Gelegenheiten in den vergangenen Jahren habe ich von zwei Weißen, so um die vierzig Jahre, die in Sambia bzw. Zimbabwe gelebt haben, so dumme und bevormundende Kommentare über Schwarze gehört, ich habe wirklich gestaunt, bei denen war die gute alte Kolonialseele noch lebendig. Wie kann man mit solchen Leuten vernünftig argumentieren? Andererseits gibt es viele Weiße, die begriffen haben, worum es geht.

      Wir haben nichts zu verlieren als unsere Illusionen!

      • André schreibt:

        Mit „solche Quatsch“ habe ich nichts emotionales gemeint, sondern es war der Meinung eine un-abhänge Afrikanisches Burger.
        Scoons war in Masvingo eine kleines Teil von Zim, warscheinlich weil er nur dort zugelassen würde. Unglaublich schwachsinnig von ihm um jetzt dieses falsche Eindruck die Welt zu machen. Zim Burgern werden ihm hassen für es.

        Weiße Bauern werden aus der Land getrieben und ermordet und du verlangst von sie „inhaltliche Kritik und eine Antwort auf die riesigen Probleme“.
        Was meinst du eigentlich mit riesigen Probleme? Ich dachte es geht so gut dort?
        Ich denke du machst dich mehr sorge über deine gleichmacherische Ideologie als um die Zim leute. Kümmerst du dich lieber über England wo du bist und lass Zim in ruhe oder konntest du Mugabe nicht verstehen?

      • missubuntu schreibt:

        Schaut euch das an: In Simbabwe produzieren die Bauern bald mehr als ihre weißen Vorgänger
        http://izindaba.info/39.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=235&cHash=1cf394fd1aed02dccd3faf23f087d994

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