Nordkorea Undercover

Von Susanne Schuster

Kürzlich lief auf der BBC eine Undercover-Reportage über Nordkorea. Der Reporter John Sweeney hatte sich als Student ausgegeben und sich einer Studienreise nach Nordkorea angeschlossen. Dieser Dokumentarfilm war so voreingenommen und parteiisch, dass es fast peinlich war. Seit der Gründung der British Broadcasting Corporation (BBC) in den 1920er Jahren wird an ihrem Mythos der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit gebastelt. In Wirklichkeit wird die BBC seit jeher für die imperialistische Machtpolitik der britischen Regierung instrumentalisiert. Die Beziehung des britischen Establishment zur BBC kann durch einen Tagebucheintrag von Lord Reith, der Gründervater der BBC, treffend zusammengefasst werden: „Sie wissen, dass sie darauf vertrauen können, dass wir nicht wirklich unparteiisch sind.“1)

In der Doku sieht man viele Aufnahmen von trostlosen, menschenleeren Landstrichen, Bauernhöfen, Krankenhäusern. Der Reporter bemerkt, dass die Nordkoreaner die Wirtschaftssanktionen für die Misere verantwortlich machen, wischt das Thema aber sofort beiseite, ohne eine Analyse der Hintergründe dieser von den USA verhängten Sanktionen, mit denen die nordkoreanische Wirtschaft erwürgt wird und die dem Volk großes Leid zufügen. Aber was will man schon erwarten, wenn 500.000 tote irakische Kinder infolge des US-Embargos gegen den Irak für Madeleine Albright, damals US-Botschafterin bei der UN, diesen Preis wert waren.

Der Undercover-Reporter zeigte auch auf viele Statuen von Kim Il Sung, dem Großvater des derzeitigen Führers Kim Jong-un, der ein tapferer Guerillakämpfer in mehreren Kriegen war und Führer der Arbeiterpartei, die durch ihre progressive Politik im Bildungs- und Sozialbereich für das Volk einen hohen Lebensstandard erreichte. Das Pro-Kopf-Einkommen 1986 entsprach dem von Südkorea (trotz massiver Wirtschaftshilfe der USA), die Lebenserwartung war mit 70,7 Jahren höher als in Südkorea und es gab mehr Krankenhausbetten auf 10.000 Einwohner als in den USA, Südkorea und Deutschland.2)

Dann wies der Reporter auf die nordkoreanischen Gulags hin. Das von einem Vertreter des britischen Erfüllungsgehilfen des Imperium Americanum, das seine eigenen völkerrechtswidrigen Gulags betreibt, mitsamt einem Netz an geheimen Folterkammern in der ganzen Welt, wo die Drecksarbeit erledigt wird. Die Gefangenen in Guantanamo Bay werden als feindliche Kämpfer bezeichnet und nicht als Kriegsgefangene, damit man die Genfer Konventionen umgehen kann, und man verwehrt ihnen habeas corpus, das Recht, nicht ohne hinreichenden Verdacht und richterlichen Befehl endlos eingesperrt zu werden. Von den mehr als 700 Insassen sind gerade mal eine Handvoll vor einem Gericht angeklagt worden.

Später sieht man den Reporter in einer großen Stadt im kapitalistischen Südkorea, wo er völlig ironiefrei ausruft: Werbung! Individualismus! Da fiel mir sogleich die Szene in dem Film Das Leben des Brian ein, wo Brian vom Balkon seines Hauses seinen Anhängern zuruft: „Ihr müsst für euch selbst denken. Ihr seid alle Individuen.“ Und die Menge antwortet unisono und roboterhaft: „Ja, wir sind alle Individuen!“ Oder man denke an die Konsumsklaven, die stundenlang über Nacht anstehen, um als erste das neueste iPhone zu erwerben. Ja, wie individualistisch.

Ein amerikanischer Kommentator bemerkte, das nordkoreanische Volk sei das am meisten indoktrinierte Volk der Welt. Doch der US-Autor William Blum sagte einmal: „Wenn wir den Grad der Indoktrination einer Bevölkerung daran messen, wie groß die Kluft ist zwischen dem, was das Volk darüber glaubt, wie seine Regierung in der Welt handelt und was die eigentlichen (sehr schmutzigen) Fakten sind, so ist das US-amerikanische Volk eindeutig das am meisten indoktrinierte Volk der Welt.“3)

Wir erfahren in dieser Doku absolut nichts über die tiefergehenden Ursachen und Zusammenhänge für die schlimme wirtschaftliche Situation dieses Landes. Die Kommentatoren argumentieren von ihrem moralischen hohen Ross, sie sollten aber erst mal ordentlich vor der eigenen Haustüre kehren. Wir bekommen eine Reihe von Situationen vorgeführt, die nicht hinterfragt werden und zu propagandistischen Klischees verkommen. Das ist bestimmt nicht guter unparteiischer und unabhängiger Journalismus.

1) Cromwell, David: Why are we the good guys, Zero Books 2012, S. 26
2) Tevres, Jan: Hände weg von Nordkorea, Ketzerbriefe 115, Ahriman Verlag 2003, S. 5-48
3) Cromwell, David: Why are we the good guys, Zero Books 2012, S. 8
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