Hilfe für Afrika: Eine Anleitung

Übersetzung: Susanne Schuster, Original: Mukoma Wa Ngugi

Hilfe für Afrika hat sich zu einem verselbständigten, profitablen Geschäft für gemeinnützige Organisationen entwickelt, das von Teju Cole „White Savior Industrial Complex“ genannt wird – eine riesige Hilfsindustrie, betrieben von Rettern mit weißer Hautfarbe. Da drängen sich Fragen auf: Wie kann Hilfe tatsächlich nützlich sein? Wo kann Hilfe mehr nützen als schaden und mehr bieten als Wunderwasser?

Hier sind zehn Wege, durch die Westbürger zu dem von Nelson Mandela im Kampf gegen die Apartheid bezeichneten „tiefgreifenden und unumkehrbaren Wandel“ beitragen können, und ich lade Sie dazu ein, Ihre eigenen Ideen zu entwickeln

1. Kämpfen Sie gegen ungleiche Handelsbedingungen. Für jeden Dollar, der für Entwicklungshilfe ausgegeben wird, gehen zwei Dollar durch ungleiche Handelsbedingungen verloren. Unterstützen Sie stattdessen konkrete Bemühungen zur Förderung von gleichen Handelsbedingungen, wie die Einstellung US-amerikanischer und europäischer Agrarsubventionen, die Agrarmärkte auf Kosten afrikanischer Bauern und ihre Familien unfairerweise untergraben. Afrika braucht gleiche Handelsbedingungen und nicht Entwicklungshilfe.

2. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Regierungen. Kämpfen Sie gegen eine Politik, die mehr schadet als nützt. Zum Beispiel AFRICOM, das US-Einsatzkommando für Afrika, das zur Militarisierung der US-Außenpolitik in Afrika führen wird. Oder die europäische und US-amerikanische Anti-Terror-Politik, die Bürgerrechte in afrikanischen Ländern untergräbt, anstatt für mehr Sicherheit zu sorgen. Unterstützen Sie stattdessen Nichtregierungsorganisationen und andere Organisationen, die daran arbeiten, die westliche Politik gegenüber Afrika zu ändern, wie Africa Action und Trans Africa Forum.

3. Kämpfen Sie gegen Nichtregierungsorganisationen, die mehr Schaden anrichten als Gutes zu tun. Beispielsweise wird die Initiative von Bill Gates, die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika, zu einem Verlust der Artenvielfalt führen und gentechnisch verändertes Saatgut in der afrikanischen Landwirtschaft verbreiten. Unterstützen Sie stattdessen Bewegungen, welche die Verteilung von Nahrungsmitteln und Wasser in afrikanischen Ländern entpolitisieren wollen und Organisationen wie Food First, die demokratische Ansätze in der Nahrungsmittelproduktion vorantreiben.

4. Unterstützen Sie afrikanische Graswurzelorganisationen, die für die Armen schädliche nationale politische Maßnahmen bekämpfen, z. B. Abahlali baseMjondolo, die südafrikanische Bewegung der Hüttenbewohner. Diese Organisationen entwickeln sich natürlich in den Gemeinschaften, deren Interessen sie vertreten und meistern die Probleme auf Wegen, zu denen die von Prominenten befürworteten NGO keinen Zugang haben.

5. Fordern Sie eine technische (wissenschaftliche, Internet, medizinische usw.) Demokratie innerhalb und zwischen Nationen.

6. Internationalisieren Sie die Lehrpläne in westlichen Ländern von der Vorschule bis zur Hochschule. Das heißt, dass Westbürger ab dem Vorschulalter bis ins Erwachsenenalter ein internationales Bewusstsein haben und daher in der Lage sind, fundierte Entscheidungen zu treffen, ob in politischen Wahlen oder im Hinblick auf die Unterstützung einer bestimmten Politik.

7. Lesen Sie was Afrikaner lesen. Informieren Sie sich über den geschichtlichen Ursprung der Probleme, vor denen Afrika heute steht. Um zum Beispiel die heutigen ungleichen Handelsbeziehungen zu verstehen, lesen Sie das historische Buch How Europe Underdeveloped Africa von Walter Rodney. Um die Komplexität der Unterdrückung von Frauen zu verstehen, lesen Sie Aufsätze von afrikanischen Frauen wie Feminism with a small f von Buchi Emechata oder Romane wie Women at Point Zero [Firdaus – eine Frau am Punkt Null] von Nawal El Saadawi und Maps von Nurrudin Farah.

8. Um afrikanische Meinungen zu aktuellen politischen Ereignissen zu erhalten, lesen Sie unabhängige afrikanische Medien wie Pambazuka News und Africa Focus und denken Sie daran, eine Spende zu leisten. Afrikanische unabhängige Medien brauchen unbedingt finanzielle Mittel.

9. Unterstützen Sie Demokratien mit Inhalt. Fordern Sie afrikanische Regierungen dazu auf, Wahlfreiheit mit wirtschaftlicher, politischer und kultureller Gleichheit zu ergänzen.

10. Empathie statt Mitleid. Mitleid ist oberflächlich und stellt außer einer gelegentlichen Spende an eine NGO keine weiteren Ansprüche. Hingegen führt Empathie zu Solidarität, zu der Erkenntnis, dass unsere Schicksale miteinander verknüpft sind. Wenn Ihr Bedürfnis für Sicherheit die Unsicherheit einer anderen Person verursacht und Ihre Sättigung zum Hunger eines anderen Menschen führt, liegt die Lösung nicht in Mitleid, sondern in einfühlendem Handeln – ein Handeln, das zu unumkehrbaren Veränderungen im Westen und auch in Afrika führt, in deren Mittelpunkt Menschen stehen.

Quelle

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