KONY 2012 und die Pro-AFRICOM- und Pro-Museveni-Propaganda von Invisible Children

Übersetzung: Susanne Schuster, Original: Black Star News

Diese jungen Leute, die Invisible Children leiten, stellen für das Wohlergehen von Ugandern und anderen Afrikanern eine große Gefahr dar, wenn es ihnen gelänge, die militärische Präsenz der USA in Afrika auszuweiten. Wenn die Vereinigten Staaten wirklich daran interessiert wären, Kony auszuschalten, warum schicken sie dann ausgerechnet jetzt das Militär, denn Kony verließ Uganda schon 2006, als er mit Museveni ein Friedensabkommen verhandelte, das schließlich scheiterte.

Vielleicht war es das anfängliche Ziel von Invisible Children, das Schicksal der Kinder, die in den jahrzehntelangen Konflikten Ugandas gefangen waren, an die Öffentlichkeit zu bringen, doch in letzter Zeit fungierte IC als Apologet für Yoweri K. Musevenis Diktatur und das Ziel der USA, dem afrikanischen Kontinent AFRICOM (das Einsatzführungskommando des US-Militärs für den afrikanischen Kontinent) aufzuzwängen.

IC hat einen brillianten Film produziert, der auf Facebook weltweit die Runde macht.

Es ist ein klassisches Propagandastück. Der kurze, aber äußerst eindringliche Film setzt die besten Techniken ein, um das Publikum zu Tränen zu rühren. Am Ende verurteilt der Film Joseph Kony, der Führer der brutalen Lord’s Resistance Army [Widerstandsarmee des Herrn], während er den Eindruck erweckt, das Musevenis Diktatur und sein brutales Militär, das vom Internationalen Gerichtshof für Kriegsverbrechen in der Demokratischen Republik Kongo verantwortlich gemacht wurde, mit den an den Kindern in Uganda begangenen Gräueltaten nichts zu tun hat. Er informiert das Publikum auch nicht darüber, dass Museveni Tausende Kindersoldaten entführt hat, um seinen Aufstand in Uganda 1986 zu gewinnen – damit schuf er die Vorlage für die Rekrutierung von Kindersoldaten überall in Afrika.

Tatsächlich startete Konys Aufstand gegen Museveni zu einem späteren Zeitpunkt, das heißt, auch er lernte die Entführung von Kindersoldaten von Museveni.

Man sehe sich die Art und Weise an, in der Invisible Children US-amerikanische Kinder am Anfang des Dokumentarfilmes ausbeutet. Dann versetzt IC das Publikum nach Uganda, wo es wiederum ugandische Kinder ausnutzt, die sowohl Opfer der LRA wie auch der ugandischen Regierungsarmee waren.

Die Bildsprache ist beeindruckend. Dr. Joseph Goebbels und Leni Riefenstahl wären auf diesen Filmknüller von Invisible Children stolz gewesen.

Wäre Invisible Children eine ernsthafte Organisation, die nicht vom Regime Museveni und der US-amerikanischen Außenpolitik kooptiert wurde, würde die Organisation die Welt darüber informieren, dass General Museveni, der in Uganda schon drei Wahlen nacheinander gestohlen hat, als Erster eine Festnahme verdient hätte.

Dieses Schreckgespenst in Uganda und Ostafrika bekommt einen Persilschein aus Washington nur deshalb, weil er auf Geheiß der USA ugandische Soldaten in Somalia stationiert hat. Demokratie, Menschenrechtsverletzungen und Völkermord werden zu kleinen Ärgernissen, was die US-Außenpolitik betrifft und soweit sich Invisible Children dafür interessiert. Dies geht über Heuchelei hinaus. Diejenigen Mitglieder von Invisible Children, die dieses fehlgeleitete Projekt zur Entsendung von mehr US-Soldaten nach Afrika unterstützt haben, weil sie unwissentlich getäuscht wurden, sollten ihr Gewissen ernsthaft prüfen.

Museveni ist das Schicksal der Kinder in der ugandischen Region Acholi egal. Wie hätte er sonst 2 Millionen Acholis 20 Jahre lang in Konzentrationslagern einpferchen können, wo laut der Weltgesundheitsorganisation mehr als 1000 Kinder, Frauen und Männer wegen geplanter Vernachlässigung starben: Mangel an medizinischen Einrichtungen, Mangel an angemessener Nahrung, Austrockung und Mangel an Sanitär- und Toiletteneinrichtungen. Hört sich das nach jemandem an, dem Kinder am Herzen liegen?

Seine Kollegen haben die Acholis als „rückständig“ und als „biologische Substanzen“ denunziert. General Museveni selbst enthüllte eine interessante Pathologie als erstklassiger afrikanischer Rassist, als er dem Atlantic Monthly Magazine im September 1994 sagte: „Ich habe die Weißen nie dafür angeprangert, Afrika kolonisiert zu haben; ich habe diese Weißen nie dafür angeprangert, Sklaven genommen zu haben. Wenn man dumm ist, sollte man als Sklave genommen werden.“ Ironischerweise – oder vielleicht auch nicht – wurde der General nach diesen Bemerkungen von Washington noch stärker umgarnt. General Museveni ist ein Verbündeter der USA seit der Ära Ronald Regans.

Warum also hat es Invisible Children nur auf Kony abgesehen, während Museveni nicht angetastet wird, wenn sie in Wirklichkeit zwei Seiten einer Medaille sind?

Diese jungen Leute, die Invisible Children leiten, stellen für das Wohlergehen von Ugandern und anderen Afrikanern eine große Gefahr dar, wenn es ihnen gelänge, die militärische Präsenz der USA in Afrika auszuweiten. Wenn die Vereinigten Staaten wirklich daran interessiert wären, Kony auszuschalten, warum schicken sie dann ausgerechnet jetzt das Militär, denn Kony verließ Uganda schon 2006, als er mit Museveni ein Friedensabkommen verhandelte, das schließlich scheiterte.

Als Kony und seine Kämpfer ihr Lager bei Garamba im Kongo aufschlugen, wie es während der Friedensverhandlungen vereinbart wurde, wer startete im Dezember 2008 einen militärischen Angriff mit Flugzeugen und Hubschraubern? Es war General Museveni – mit US-Unterstützung. Die Friedensverhandlungen, die von traditionellen und religiösen Führern in der Region Acholi begrüßt wurden, scheiterten. Laut Jan Egeland, ehemaliger UN-Untergeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten, wollte Museveni ebenfalls eine militärische Vorgehensweise verfolgen und machte sich sogar über seine eigenen Versuche, einen Frieden zu verhandeln, lustig.

Sofort folgten weitere Tötungen – dieses Mal im Kongo, und da Museveni und Kony zwei Seiten einer Medaille sind, ist nicht klar, wer die Gräueltaten in Garamba nach der gescheiterten Attacke begangen hat.

Nach den Angriffen verstreute sich die LRA in der Zentralafrikanischen Republik. Man würde daher meinen, dass man die US-Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik stationiert hätte, wenn die USA und Invisible Children wirklich an Kony interessiert wären.

Die jungen Leute hinter Invisible Children verstehen nicht den Konflikt in Uganda, doch sie haben sich zu seinem Sprachrohr gemacht. Sie haben Kampagnen durchgeführt und einige Prominente, einschließlich Rihanna und P. Diddy, überzeugt, über ihren Propagandafilm der Halbwahrheiten zu twittern. So wird aus einseitiger oder unparteiischer Information die „dominante Wahrheit“ weltweit und kritische Analysen werden erstickt.

Es ist als käme eine Gruppe leicht zu beeindruckender weißer Jugendlicher nach Harlem und sagte: wir sehen, dass ihr große Krisen habt, wir haben die Lösungen für euch. Wer würde eine solche törichte und destruktive Arroganz akzeptieren? Wenn dies in Harlem nicht akzeptabel ist, dann muss dies auch in der ugandischen Region Acholi zurückgewiesen werden.

Sämtliche traditionelle Führer, religiöse Führer und Mitglieder des ugandischen Parlaments sind gegen eine stärkere Militarisierung. Doch sie sind nicht in der Lage, ihre Meinungen auf CNN oder in der New York Times auszudrücken, oder einen professionellen Dokumentarfilm wie der von Invisible Children herzustellen. Außerdem wird ihnen nicht die mutmaßliche Glaubwürdigkeit zugestanden, die weißen Analysten im Gegensatz zu einheimischen Ugandern oftmals gewährt wird.

Doch statt auf die Rufe der traditionellen und religiösen Führer Ugandas, die in den vom Krieg verwüsteten Regionen leben, zu hören, entschied sich Invisible Children dazu, einen schönen Dokumentarfilm mit einer hässlichen Agenda zu produzieren, der den Konflikt nur eskalieren lässt und General Museveni unterstützt. Wer glaubt wirklich, dass es eine gute Sache für die Vereinigten Staaten ist, Soldaten nach Uganda oder anderswo in Afrika zu entsenden? Warum sollten diese Soldaten sich anders verhalten als die nach Irak und Afghanistan entsandten Soldaten?

Die US-Regierung und Invisible Children benutzen den brutalen Joseph Kony als Buhmann, um den langfristigen Plan der USA zu rechtfertigen: den Afrikanern AFRICOM aufzuzwängen. Wer würde schon etwas dagegen einzuwenden haben, wenn die USA 100 „Berater“ nach Uganda entsenden, denn jeder weiß von Konys Gräueltaten? Eine brilliante Täuschung. Natürlich wird es nie bei 100 „Beratern“ bleiben. Das ist nur der angekündigte Personaleinsatz und es sind wahrscheinlich schon mehr US-Soldaten in der Region. Sogar vor dem Einsatz haben einige von ihnen bereits Musevenis Soldaten trainiert. Und mehr werden kommen – unangekündigt.

AFRICOM, das Endziel, würde es den USA ermöglichen, den Ressourcenhunger Chinas zu kontern, indem in der Nähe der ölreichen Gebiete im Norden Ugandas, im Südsudan, in den kongolesischen Gebieten um den Albertsee und in der Zentralafrikanischen Republik US-Militärpersonal stationiert wäre. Die Soldaten wären auch schnell einsatzbereit, falls man sich dazu entschiede, einen Regimewechsel in Khartum, Sudan zu unterstützen. In der US-Außenpolitik wird schließlich argumentiert, dass dem sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir und seinem Verteidigungsminister kaum jemand hinterherweinen würde, denn für beide liegt beim Internationalen Strafgerichtshof ein Haftbefehl vor.

Die USA sind sich bewusst, dass afrikanische Länder AFRICOM ablehen. Was machen die USA also? Sie jagen einen „Teufel“ – in diesem Falle ist es Kony. Erzählt der Welt – mit der Hilfe von Invisible Children – von unserer Mission, den Ugandern dabei zu helfen, diesen „Teufel“ loszuwerden, der sich übrigens irgendwo in der Zentralafrikanischen Republik versteckt, während der Diktator, der erst letzten Februar die Wahlen gestohlen hat, in Kampala sitzt und sich mit US-Regierungsvertretern und Führern von Invisible Children trifft.

Wenn das echte Ziel einfach Joseph Kony wäre, hätten die USA eine bewaffnete Drohne vom Typ Predator eingesetzt, denn so haben die USA mehrere mutmaßliche Führer von Al-Kaida und der Taliban ausgeschaltet.

Invisible Children scheint keine unabhängige Wohltätigkeitsorganisation für Kinder zu sein. Die Organisation ebnet den Weg für AFRICOM – mit dem brutalen Kony als Buhmann.

Kony ist ein Alptraum, doch Museveni hat den Tod von Millionen Menschen in Ruanda, Uganda und Kongo verursacht. Im Jahr 2005 hat der Internationale Gerichtshof Uganda haftbar gemacht wegen Vergehen im Kongo, die man als Kriegsverbrechen bezeichnen kann: Massenvergewaltigungen von Frauen und Männern, das Aufschlitzen von schwangeren Frauen, das Verbrennen von Menschen bei lebendigem Leibe in ihren Häusern, Massaker und das Plündern von Ressourcen. Im Kongo verloren sechs Millionen Menschen ihr Leben, nachdem Uganda Teile des Kongo besetzt hatte. Dem Kongo wurden 10 Milliarden US-Dollar an Reparationszahlungen zugesprochen, doch kein Cent wurde davon bezahlt.

Der Kongo verwies dieselben Vergehen dann an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als Kriegsverbrechen. Das Wall Street Journal vom 8. Juni 2006 berichtete, dass General Museveni den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan persönlich kontaktierte und ihn aufforderte, die Ermittlungen zu blockieren.

Es scheint, als seien die USA und Chefankläger Moreno Ocampo dieser Aufforderung tatsächlich nachgekommen. General Museveni und führende ugandische Militärbefehlshaber sind wegen der mutmaßlichen Verbrechen, für die der Internationale Gerichtshof Uganda bereits haftbar gemacht hatte, immer noch nicht angeklagt; nur eine Seite der Medaille wurde angeklagt: Kony. Chefankläger Ocampo ist damit vollkommen diskreditiert. Die Leser sollten „Ocampo and South African journalist case“ googeln.

Es gibt einen anderen Dokumentarfilm, der versucht, die ugandische Tragödie auf eine objektivere Weise zu erklären, im Gegensatz zum professionellen Propagandastück von Invisible Children.

Hoffentlich motiviert dieser Dokumentarfilm die Leute dazu, selber zu recherchieren und zu verlangen, dass sich die internationale Gemeinschaft sowohl mit Kony als auch Museveni befasst.

Hoffentlich werden auch mehr Menschen ihre eigenen Nachforschungen anstellen und nicht auf professionelle Propaganda wie die von Invisible Children hereinfallen.

Leser können zum Beispiel Begriffe wie „Yoweri Museveni and Congo genocide“, „Museveni and Kony“, „Museveni and Rwanda genocide“, „Museveni and Acholi genocide“ und „US support for dictator Museveni“ googeln

Anmerkung der Redaktion [Black Star News]: In allen vorigen Versionen schrieben wir: „Wie hätte er sonst 2 Millionen Acholis 20 Jahre lang in Konzentrationslagern einpferchen können, wo laut der Weltgesundheitsorganisation mehr als 1000 Kinder, Frauen und Männer wegen geplanter Vernachlässigung starben: Mangel an medizinischen Einrichtungen, Mangel an angemessener Nahrung, Austrockung und Mangel an Sanitär- und Toiletteneinrichtungen. Hört sich das nach jemandem an, dem Kinder am Herzen liegen?

Damit meinten wir eigentlich: Wie hätte er sonst 2 Millionen Acholis 20 Jahre lang in Konzentrationslagern einpferchen können, wo laut der Weltgesundheitsorganisation mehr als 1000 Kinder, Frauen und Männer wegen geplanter Vernachlässigung starben – zusätzlich zu den normalen Sterberaten. Das heißt, über einen Zeitraum von 20 Jahren sind vielleicht 1 Million Acholis gestorben. Die Gründe dafür: Mangel an medizinischen Einrichtungen, Mangel an angemessener Nahrung, Austrockung und Mangel an Sanitär- und Toiletteneinrichtungen. Hört sich das nach jemandem an, dem Kinder am Herzen liegen?

Quelle

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