Ein neuer Anfang für Simbabwe?

Übersetzung: Susanne Schuster, Original: Ian Scoones

Das lang erwartete politische Abkommen in Simbabwe sollte begrüßt werden. Nachdem das Land jahrelang durch politische Ausweglosigkeit und wirtschaftliche Instabilität gekennzeichnet war, besteht nun das Potenzial für einen Neubeginn. Es ist jedoch notwendig, eine fundierte Debatte über die Zukunft zu führen, wobei Land und der Agrarsektor ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Diskussionen bilden sollte. Die neue Regierung wird von allen Seiten Rat bekommen – Berater aus der ganzen Welt werden in Scharen einströmen und Geldgeber und ausländische Denkfabriken aller Schattierungen werden ihre bevorzugten Pläne und Programme vorstellen.

Doch die neue Regierung muss vorsichtig sein. Die Vergangenheit war zu stark beeinflusst von ideologischem Gehabe und Desinformation – von allen Seiten. Deshalb muss der Ausgangspunkt für eine solide, nachhaltige Politik für die Zukunft eine genaue Analyse der Realität vor Ort sein. Dazu gehört unbedingt die Auseinandersetzung mit einer Feldforschung, deren Ziel es ist, die sich entwickelnde Dynamik von Bodennutzung, Landwirtschaft und Existenzgrundlagen sowie die Perspektiven der Landwirte und Bodennutzer zu verstehen.

Das Programm „Livelihoods after Land Reform in Southern Africa“ [Existenzgrundlagen nach der Bodenreform im südlichen Afrika] hat sich genau damit befasst. Unter der Leitung des Institute for Poverty der University of the Western Cape und der Mitarbeit von Forschern in Südafrika, Namibia und Simbabwe hat sich die Feldforschung in Simbabwe auf die Provinz Masvingo im Südosten des Landes konzentriert. Die detaillierte Studie hat die Entwicklung der Landreform in der Provinz seit dem Jahr 2000 nachverfolgt und die Auswirkungen auf die Existenzgrundlagen der Menschen und die Wirtschaft im Allgemeinen untersucht. Sie hat einige wichtige Erkenntnisse geliefert, welche die „konventionellen Weisheiten“, die die Meinungen in der Medien- und akademischen Welt gleichermaßen dominieren, in Frage stellen. Die bisherigen Forschungsergebnisse stellen fünf oft vorgebrachte Mythen über die kürzlich durchgeführte Bodenreform in Simbabwe grundsätzlich in Frage und liefern einige wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Ausrichtung der Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums in Simbabwe.

Mythos Nr. 1: Die Bodenreform in Simbabwe ist vollkommen gescheitert

Die Bodenreform in Simbabwe zeichnet sich durch ihre Vielschichtigkeit aus: es gibt nicht nur eine, sondern viele Geschichten, die je nach Region, Projekt und Siedler unterschiedlich sind. In der Provinz Masvingo wurden 1,2 Millionen Hektar an 20 000 Haushalte umverteilt. Hierbei gibt es sehr große Unterschiede. Unter dem sogenannten A1-Programm (kleinbäuerliche Landwirtschaft), das von niedrigen Kapitalinvestitionen und Abhängigkeit von lokalem Arbeitsangebot geprägt ist, haben die Siedler recht gute Fortschritte gemacht, vor allem in den feuchteren Gebieten der Provinz. Die Landwirte haben Land gerodet, Feldfrüchte gepflanzt und neue Investitionen getätigt, viele haben Arbeiter aus nahegelegenen kommunalen Gebieten eingestellt. In diesen Siedlungsgebieten hat sich sehr schnell eine sozioökonomische Stratifikation vollzogen – einige machen gute Fortschritte, während andere noch zu kämpfen haben.

Einige sind weg, oftmals wegen Missgeschicken, Krankheit oder Tod (oft herbeigeführt durch HIV/AIDS), doch insgesamt sind die Schwundraten niedrig.

Bei dem A2-Programm – ausgerichtet auf kommerzielle Kleinbauernbetriebe – hat der wirtschaftliche Kollaps in den letzten Jahren größere Kapitalinvestitionen verhindert und neue Betriebsgründungen sind nur langsam vonstatten gegangen. Eine rühmliche Ausnahme davon bilden einige neue kommerzielle landwirtschaftliche Betriebe, die trotz aller Schwierigkeiten entstanden sind, jedoch haben sie sich angesichts der Hyperinflation und einem Mangel an Kredit sehr schwergetan. In den umverteilten Gebieten auf den Zuckerrohrplantages im Lowveld ist die Geschichte ähnlich komplex. Einige neue Landwirte probieren den Zuckerrohranbau auf 30 Hektar großen Feldern aus, sie stellen dabei oft einen Teil der Nutzfläche auf den Anbau von Gemüse und anderen Feldfrüchten um, um das Risiko zu streuen. Aber auch hier haben die von der wirtschaftlichen Situation verursachten Beschränkungen großen Druck auf diese neuen Betriebe ausgeübt, und das Plantagensystem – das auf eine Produktion im großen Maßstab ausgelegt ist – hat auf diese neue Situation nur sehr langsam reagiert.

In Interviews mit den neuen Siedlern wurde allgemeine Anerkennung für das Umsiedlungsprogramm ausgedrückt, trotz der Probleme: „Mein Leben hat sich tiefgreifend verändert, denn ich habe nun mehr Land und kann mehr produzieren als vorher“, sagte ein Siedler. Ein anderer bemerkte: „Wir sind zufriedener hier nach der Umsiedlung. Es gibt mehr Land, die Pflanzenbestände sind größer und es gibt keine Überbevölkerung. Im Jahr 2006 hatten wir gute Ernteerträge. Ich füllte zwei Getreidespeicher mit Sorghum.“

Die Gegensätze zwischen A1 und A2, zwischen kleinflächigem und großflächigem Anbau, zwischen Kleinbauern und kommerziellen Bauern sind sehr willkürlich und irreführend. Und die Unterschiede zwischen den beiden Programmen sind sehr verschwommen. Seit 2000 ist die alte dualistische Agrarwirtschaft, das Erbe der Kolonialzeit, endgültig verschwunden und eine neue Agrarstruktur bildet sich schnell heraus. Dies schafft Herausforderungen und Chancen, Gewinner und Verlierer, doch man kann die Bodenreform nicht als erbärmlichen Misserfolg charakterisieren. Ein neuer politischer Handlungsrahmen muss diese neue Realität erkennen und darf sich nicht dazu verführen lassen, alte und überholte Modelle wieder einzuführen. Ein hochrangiger Betriebsberater kommentierte dies folgendermaßen: „Wir kennen unsere neuen Kunden noch nicht, dies ist eine ganz neue Situation.“

Mythos Nr. 2: Die Nutznießer der Bodenreform in Simbabwe waren hauptsächlich politische „Kumpane“

Zwar trifft es durchaus zu, dass bei der Verteilung von Land seit 2000 politischer Klientelismus zugange war, vor allem im Hinblick auf die wertvollen Farmen im Highveld nahe Harare, doch das Gesamtbild zeigt, dass es sich hier nicht nur einfach um eine Verteilung an Eliten handelte. Von den in Masvingo untersuchten 16 Orten und 400 Haushalten (341 unter A1 und 59 unter A2) wurden 60 Prozent der neuen Siedler als „normale Bauern“ eingestuft. Dies sind Leute, die aus nahegelegenen Kommunalgebieten kamen, um sich den Farminvasionen anzuschließen – an sie wurde von den Bezirkslandausschüssen (District Land Committees) unter dem beschleunigten Programm Land verteilt.

Es ist keine reiche Elite mit guten politischen Verbindungen, sondern es sind arme Leute aus ländlichen Gebieten, die Land brauchten und die Früchte der Unabhängigkeit endlich einmal kosten wollten. Einer von ihnen drückte es so aus: „Wir haben für Land gekämpft. Unsere Verwandten starben für dieses Land. Nun müssen wir es gut nutzen“. Im Hinblick auf das sozioökonomische Profil war diese Gruppe den Gruppen in den kommunalen Gebieten sehr ähnlich: im Schnitt etwas jünger und besser gebildet, aber mit sehr wenig Vermögenswerten. Landwirtschaftliche Arbeiter profitierten ebenfalls von der Bodenreform; einige von ihnen organisierten Invasionen von Betrieben, in denen sie gearbeitet hatten. Diese Gruppe stellte einen Anteil von etwa sieben Prozent dar, vergleichbar mit den Kriegsveteranen, die die Farminvasionen oft angeführt hatten und die daher meistens etwas größere, oft „eigenständige“ Grundstücke bekamen.

Unter den Umgesiedelten, vor allem beim A2-Programm, befand sich ein erheblicher Anteil an Beamten (14 Prozent insgesamt), meistens handelt es sich dabei um Lehrer oder landwirtschaftliche Berater, an die Land verteilt wurde. Da die Gehälter für ihre Regierungsjobs nicht bezahlt wurden, wurde der Zugang zu Land entscheidend für die Sicherung ihrer Existenzgrundlagen. Weitere 5 Prozent wurden als Geschäftsleute eingestuft, dabei handelt es sich oft um Inhaber von Läden, Spirituosenläden oder Transportunternehmen in der Stadt. Schließlich gab es eine Gruppe, die hauptsächlich unter dem A2-Programm Land erhielt, die Bedienstete bei Sicherheitsbehörden einschloss: Polizei, Militär und Nachrichtendienstbeamte mit guten politischen Verbindungen. Diese Gruppe machte drei Prozent aller Nutznießer aus und war diejenige, die mit politischem Klientelismus und Verbindungen zur Regierungspartei wahrscheinlich am stärksten assoziiert war.

Die letztgenannten drei Gruppen – Beamte, Geschäftsleute und Mitarbeiter der Sicherheitsdienste – haben jedoch auch ihr Fachwissen und ihre Verbindungen eingebracht, auf unterschiedliche Weise, was der Gemeinschaft im Allgemeinen zugute kam. Dieser breitgefächerte soziale Mix in den neuen Siedlungen bildet einen Gegensatz zu den älteren Umsiedlungsmaßnahmen und kommunalen Gebieten, sie bieten daher Gelegenheiten für soziale und wirtschaftliche Innovationen auf längere Sicht.

Ein Verständnis dieser sozialen Zusammensetzung und ihrer Potenziale wird für jegliche zukünftige Politikunterstützung für die neuen Siedlungen von entscheidender Bedeutung sein. Es ist hierbei wichtig, nicht einfach davon auszugehen, dass die A1-Projekte „einfach wie die kommunalen Gebiete“ und die A2-Projekte „einfach kleine kommerzielle Farmen“ sind. Mit der neuen Agrarstruktur bildet sich in den ländlichen Gebieten Simbabwes eine neue soziale und wirtschaftliche Ordnung heraus, sie braucht sorgfältig abgestimmte politische Unterstützung, um die unleugbaren, doch bisher noch nicht realisierten Potenziale zu fördern.

Mythos Nr. 3: In den Umsiedlungsgebieten werden keine Investitionen getätigt

In den internationalen Medien haben Bilder von Zerstörung und Chaos die Schlagzeilen zu Simbabwes Bodenreform dominiert. Zwar ist der grundlegenden Infrastruktur der kommerziellen Landwirtschaft in einigen Teilen des Landes erheblicher Schaden zugefügt worden – sowohl von den neuen Landbesetzern als auch von den früheren Besitzern – doch sind auch beträchtliche Neuinvestitionen getätigt worden, fast gänzlich durch Privatpersonen, mit verschwindend geringer staatlicher Unterstützung.

Änderungen im Produktionssystem – von kommerzieller Agrarwirtschaft in großem Maßstab zu hauptsächlich kleinbäuerlicher gemischter Landwirtschaft – bedeutet, dass Investitionen zum Beispiel nicht in Form von Zentralbewässerung oder mechanisierten Molkereien stattfinden, sondern in bescheidenerem Maßstab und eher den aktuellen Bedürfnissen und Zielen entsprechend. Die neuen Siedler, vor allem diejenigen unter dem kleinbäuerlichen A1-Programm, haben beträchtliche Ackerflächen gerodet (im Schnitt etwa drei Hektar pro Haushalt), was einen erheblichen Arbeitseinsatz beim Entfernen von Busch und Baumwurzeln sowie beim Pflügen erforderte.

Die Siedler haben darüber hinaus neue Häuser gebaut, 41 Prozent davon wurden aus Ziegelsteinen gebaut, oftmals mit Dächern aus Blech oder Asbest. Vieh stellt die wichtigste Investition dar, wobei der Aufbau der Herden sehr schnell vorangeht. 62 Prozent der umgesiedelten Farmer besitzen Vieh, die Herden bestehen im Schnitt aus fünf Tieren. Desweiteren haben sie neue Ausrüstung erworben: 75 Prozent der Haushalte besitzt Pflüge, 40 Prozent besitzt Fahrräder, 39 Prozent besitzt Ochsenkarren und 15 Prozent besitzt ein eigenes Auto. Diese Siedler besitzen mehr Vermögenswerte als die Vergleichsgruppen in den angrenzenden kommunalen Gebieten, auch konnten die meisten neuen Siedler seit dem Landerwerb neue Anschaffungen machen, trotz aller Mühsal.

Was Investitionen betrifft, so ist die Situation unter dem A2-Programm weniger vielversprechend. Die meisten Projekte unter dem A2-Programm in der Provinz Masvingo unterscheiden sich von denen unter dem A1-Programm kaum, wobei nur ein geringer Anteil des Ackerbodens genutzt wird. Einige der Siedler – mit Zugang zu alternativen Kapitalquellen, meistens in ausländischer Währung – konnten aber in neue Ausrüstung investieren und neue Unternehmungen aufbauen. Einer hat beispielsweise eine bewässerte Weizenfarm aufgebaut, mit einer neuen Pumpstation, Bewässerungsrohren, Traktoren und angemieteten Mähdreschern. Ein anderer baut eine Molkerei auf, in Kombination mit einem Mastbetrieb (Feedlot) für Rinder. Andere haben Gartenbaubetriebe gegründet und dabei zurückgelassene Bewässerungsanlagen wieder in Betrieb genommen.

Diese Erfolge sind dünn gesät, die meisten konnten aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation keine Investitionen tätigen. Die wichtigste politische Herausforderung für die unmittelbare Zukunft wird die Stabilisierung der Wirtschaft und damit die Bereitstellung von Krediten für neue Landwirte sein – nicht nur für diejenigen, die eine sogenannte „kommerzielle“ Landwirtschaft betreiben, sondern auch für die vielen marktorientierten Kleinbauern. Mit einer umsichtigen Förderung wird die Neuentstehung einer dynamischen Agrarwirtschaft ziemlich sicher sein, aber es wird eine völlig veränderte Agrarwirtschaft sein, die erhebliche Investitionen in neue Vermarktungswege und Unterstützungssysteme erfordert.

Mythos Nr. 4: Die Landwirtschaft ist völlig ruiniert worden

Die Landwirtschaft in Simbabwe hat schwierige Zeiten durchgemacht. Zwangsläufig ist eine radikale Umstruktruierung schmerzhaft, vor allem dann, wenn sie mit wirtschaftlichem Kollaps und wiederkehrenden Dürren einhergeht. Alle statistischen Indikatoren bei allen Rohstoffen sind gesunken, dies spiegelt den Zusammenbruch der alten, formalen kommerziellen Agrarwirtschaft wider – aber nicht der gesamten Agrarwirtschaft, vor allem auf dem kleinbäuerlichen Sektor.

In der Provinz Masvingo wurde der frühere kommerzielle Agrarsektor von der Rindfleischindustrie, dem Wildtiersektor und den Zuckerrohr- und Zitrusfruchtplantagen dominiert. Die Rindfleischindustrie hat sich radikal verändert und der Wildtiersektor leidet aufgrund des Rückgangs im Tourismus und in der Jagd. Ehemalige Rinderfarmen wurden durch kleinbäuerliche, gemischte landwirtschaftliche Betriebe ersetzt, wobei beträchtliche Neuinvestitionen in Herden mit einer Mischung aus Schlacht- und Milchvieh getätigt wurden, in Kombination mit Ackerbau, vor allem Mais und in den trockeneren Gebieten kleinkörniges Getreide.

Zwar liegen die Erträge auf diesem Sektor, vor allem bei den A1-Projekten, aufgrund einem Mangel an Betriebsmitteln – insbesondere Saatgut und Dünger – weit unter dem Potenzial, doch es wird produziert. In der verhältnismäßig guten Regenzeit im Jahr 2005/6 erzeugten 75 Prozent der Haushalte in den nördlich gelegenen Parzellen in den Bezirken Gutu und Masvingo mehr als eine Tonne Mais, eine ausreichende Menge, um den eigenen Bedarf zu befriedigen, etwas auf dem Markt zu verkaufen und noch etwas davon vorrätig zu halten. Dieser Erfolg konnte in den trockeneren Gebieten jedoch nicht erzielt werden – oder in den trockeneren Jahren, als die Nahrungssicherheit sehr stark gefährdet war.

Dies veranschaulicht das Potenzial einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft in den Umsiedlungsgebieten als eine Lebensgrundlage unter mehreren verschiedenen, die ein breitgefächertes Spektrum an nicht-landwirtschaftlicher Beschäftigung, Handel und Einkommen aus Überweisungen einschließen. Das Potenzial der Landwirtschaft als die zentrale Lebensgrundlage für den Großteil der Bevölkerung muss durch politische Maßnahmen, welche die Bereitstellung von Betriebsmitteln und eine umfassendere Betriebsberatung – an beidem feht es sehr – sicherstellen, genährt und verbessert werden. In den trockeneren Gebieten stellt die Wasserwirtschaft die größte Einschränkung dar, und Investitionen in kleinräumige Bewässerung und Wassergewinnung ist zweifellos eine wesentliche Priorität in der Zukunft.

Mythos Nr. 5: Die ländliche Wirtschaft ist zusammengebrochen

Während die allgemeine Wirtschaftslage katastrophal ist und die Inflation aus dem Ruder läuft, hat sich die ländliche Wirtschaft in der Provinz Masvingo schnell angepasst. Der radikale Wandel in der Agrarstruktur hat die Wertschöpfungsketten – einst beherrscht von großen, kommerziellen Agrarbetrieben, Unternehmen im Besitz von Weißen und halbstaatlichen Organisationen – bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Die Wertschöpfungskette für Rindfleisch ist ein gutes Beispiel (siehe Mavedzenge et al 2008). Früher lieferten die großen Viehzuchtbetriebe nur an eine begrenzte Zahl von fleischverarbeitenden Betrieben, die nur eine begrenzte Zahl von Schlachthöfen oder die Cold Storage Company nutzten. Heute gibt es eine große Bandbreite von Fleischlieferanten und viele neue Akteure. Der Zusammenbruch des Exportmarkts infolge des Auftretens der Maul- und Klauenseuche hat dazu geführt, dass man sich nun mehr auf den lokalen Verkauf und lokale Märkte konzentriert. Da die neuen Landwirte derzeit ihre Herden aufbauen und lieber nicht verkaufen, gibt es erhebliche Lieferengpässe. Rindfleisch wird nicht mehr in den Supermärkten in der Stadt verkauft, sondern durch kleine Metzgereien und Schlächtereien in den ländlichen Gebieten und Townships.

Durch die neu entstehenden Wertschöpfungsketten werden die Umsiedlungsgebiete mit den Mastbetrieben und Metzgereien in völlig neuen und sehr unterschiedlichen Besitz- und Managementstrukturen vernetzt. Dies bedeutet, dass die neuen Akteure an der ländlichen Wirtschaft teilhaben und der Nutzen viel besser verteilt wird. Die Wirtschaftsaktivität hat sich also verlagert auf die Zusammenführung des lokalen Angebots und der lokalen Nachfrage sowie auf neue Handelsverflechtungen, die aber oft mit illegalen grenzüberschreitenden Geschäften verbunden sind.

Es zeigt sich darüber hinaus, dass beträchtlich in neue Unternehmungen in und um die Umsiedlungsgebiete investiert wird, einschließlich Läden, Spirituosenläden, Metzgereien und Transportunternehmen. Diese Investitionen haben eine Vielfalt neuer Wirtschaftsverflechtungen generiert und dringend benötigte Beschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum geschaffen. Diese Multiplikatoreffekte wurden jedoch durch den allgemeinen inflationären Druck in Verbindung mit der Verhängung von Preiskontrollen und anderen Maßnahmen unterminiert. Aber unter veränderten Bedingungen werden diese neuen Unternehmungen vitalisiert und neue Wirtschaftstätigkeit wird sich zweifellos entwickeln.

Zukünftige Strategien müssen darauf abzielen, die wirtschaftliche Stabilität zu verbessern, damit wird die lokale Produktion und Kaufkraft angeregt. Im Moment ist noch unklar, was der insgesamte Nettonutzen der Umstrukturierung nach der Bodenreform ist, aber mit der richtigen Unterstützung kann ein allgemeines Wirtschaftswachstum erzielt werden. Das Wesentliche dabei ist zu garantieren, dass eine solche Unterstützung das in den letzten Jahren entstandene, diversifizierte Unternehmertum nicht unterminiert. Die komplexen neuen Wertschöpfungsketten sind mitunter vielleicht etwas planlos, unreguliert und chaotisch, doch ihr Nutzen ist viel besser verteilt und wirtschaftliche Verflechtungen sind besser in die lokale Wirtschaft eingebettet. Langfristig gesehen kann eine derartige neue Wirtschaftsordnung ein umfassendes und robustes Wachstum und eine Sicherung der Lebendsgrundlagen fördern – die alte Agrarstruktur erreichte dies nie.

Hoffen wir, dass die neue Regierung – und die Gebergemeinschaft, die sie hoffentlich unverzüglich unterstützen wird – solche Forschungsergebnisse beherzigen wird und durch ihr Handeln eine positive Veränderung unterstützt, statt – wie es bei übereilten Entscheidungen und ideologisch gesteuerten Haltungen leider oft geschieht – die unleugbaren Potenziale und Chancen zu unterminieren.

Es gibt noch viel zu tun: es besteht eine dringende Notwendigkeit für wirtschaftliche und politische Stabilität; es besteht beträchtlicher Bedarf für zielgerichtete Investitionen und Unterstützung in der Landwirtschaft; aber es besteht auch bereits eine gute Basis, auf die man aufbauen kann und eine positive Dynamik, die man katalysieren muss. Hoffen wir, dass eine positive Spirale entsteht, die auf die redistributiven Gewinne aus der Bodenreform und das echte Potenzial einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft aufbaut und zum Motor für wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftliche Regeneration wird.

Quelle

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Simbabwe abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s