Autos und Mobilität

Klaus Gietinger hat sich einige sehr tiefgründige Gedanken über den Autowahn gemacht, wie man in dem Artikel Fetisch Mobilität in der Junge Welt lesen kann. Seit vielen Jahren bin ich autofrei (aber keine Autohasserin an sich), schlage mich als Fußgängerin, Radfahrerin und Busbenutzerin im Stadtverkehr von Brighton durch und sehe, wie sich in einer schon sehr verstopften Stadt immer noch mehr Blechmonster durchdrängeln. Ja, man kann schon sagen: Monster, Ungetüme, Festungen auf vier Rädern. In dem Artikel sind viele Fakten aufgeführt, die einen wirklich nachdenklich machen. Ein VW-Golf wiegt heute doppelt so viel wie im Jahr 1977 und weil die Autos immer schneller und die Motoren immer mächtiger werden, liegt der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch immer noch auf dem gleichen Niveau wie in den 1950er Jahren, trotz all der technischen Innovationen, die einen viel niedrigeren Kraftstoffverbrauch eigentlich längst möglich machen. Ganz abgesehen davon werden bei größeren und schwereren Autos wesentlich mehr Rohstoffe verbraucht.

Vance Packard hat schon 1960 (!) in seinem Buch The Wastemakers [Die große Verschwendung] die verschwenderischen und verantwortungslosen Produktions- und Marketingtaktiken der amerikanischen Fahrzeugindustrie angeprangert, durch die immer größere und abenteuerlichere Automodelle auf den Markt gebracht wurden – man denke an die typisch amerikanischen Straßenkreuzer mit den überdimensionierten Heckenflossen -, die immer teurer wurden und immer mehr Sprit verbrauchten. Jutta Ditfurth stellt sich in Zeit des Zorns die Frage, warum es zum Beispiel in den USA kein dichtes Eisenbahnnetz und keine schienengebundenen Nahverkehrssysteme gibt. Ihre Antwort ist sehr aufschlussreich: In einem Bericht des US-Senats kam heraus, dass die großen drei Autohersteller General Motors, Chrysler und Ford sowie der Reifenhersteller Firestone in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert das Vehrkehrswesen der USA zu ihrem Profit umbauten. “Sie erzwangen die Zurückdrängung des schienengebundenen Nahverkehrs in den meisten US-amerikanischen Städten zugunsten ihrer Lkws und Autos.” Eric Schlosser legt darüber hinaus in Fast Food Nation sehr anschaulich dar, wie die absichtliche Zurückdrängung der Tram- und Straßenbahnen in Städten wie Los Angeles zugunsten des Straßenbaus mit dem Aufstieg der Fastfoodketten wie McDonalds (samt Drive-ins) einherging.

All dies zeigt, dass solche Entwicklungen kein Zufall oder ein natürlicher Verlauf der Dinge sind, sondern das Resultat von bewussten Entscheidungen. Und diese Entscheidungen wurden von Menschen getroffen, die davon profitierten, in einem kapitalistischen System, dessen Maxime die Profitmaximierung ist und nicht die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse oder die Schaffung von sinnvollen Arbeitsplätzen. Wir bezahlen einen hohen Preis für diese Entscheidungen: Verschandelung der Landschaft, Luftverschmutzung, Lärmbelastung, und am schockierendsten: “Autofahren ist tödlich und fordert mehr Opfer als alle Kriege, Naturkatastrophen und auch jede andere Technik zusammen. Die Zahl der Verletzten und Verkrüppelten ist fast unüberschaubar.”

Von Susanne Schuster

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